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Verschleierte Minimalreformen in Saudi-Arabien


Saudi-Arabien

Verschleierte Minimalreformen in Saudi-Arabien

Das neue Wahlrecht für Frauen in Saudi-Arabien, es ist nur eine kleine Lockerung in der sittenstrengen Hochburg des ultra-konservativen Islams. Wie König Abdullah an diesem Sonntag überraschend bekannt gab, dürfen ab 2015 erstmals auch Frauen zur Wahlurne gehen.

Für die Soziologin Fawziyah Abu Khalid ist es ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie zieht Bilanz: “Mit dieser Entscheidung bekommen saudische Frauen zum allerersten Mal in der Geschichte des Landes Raum für politische Beteiligung zugestanden.”

Politische Beteiligung, die in Saudi-Arabien auch für Männer minimal ausfällt. Selbst diese können seit 2005 erst ihre Stimme abgeben – jedoch nur bei Kommunalwahlen. Das Parlament wird alle vier Jahre von König Abdullah ernannt. Die so genannte Schura hat rein beratende Funktion.

Massoud Shadjareh von der Islamischen Menschenrechts-Kommission ist das neue Wahlrecht ein Tropfen auf dem heißen Stein. Er macht seiner Enttäuschung Luft: “Ich hielt das ganze anfangs für einen schlechten Scherz. Bei einer Gesellschaft wie in Saudi-Arabien, wo niemand in der Politik Einfluss nehmen kann, handelt es sich in Wahrheit um eine Diktatur. Das Wahlrecht für Frauen…? Wofür denn? Um zu bestimmen, wer auf lokaler Ebene die Zügel in der Hand hält?!”

So nutzen Aktivisten die Gunst der Stunde und verlangen weitere Reformen. Bis die schließlich umgesetzt werden, müssen Frauen wohl auch in den nächsten Jahrzehnten weiter auf den hinteren Bänken Platz nehmen – im Auto, das sie gar nicht erst fahren dürfen, sowie in fast allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

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