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Margherita Hack: Ein Leben im Dienst der Sterne


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Margherita Hack: Ein Leben im Dienst der Sterne

Margherita Hack ist fast 90 Jahre alt und sie gehört immer noch zu den hellsten Köpfen der italienischen Wissenschaft. Ihr Name ist untrennbar mit der Astrophysik verbunden: Sie war die erste Frau, die in Italien ein Observatorium leitete.

Auch international ist ihr Name bekannt. In Italien ist sie beliebt für ihre zahlreichen Artikel und Bücher sowie ihre Auftritte in TV- und Radioshows.

Margherita Hack lebt im norditalienischen Triest mit ihrem Ehemann Aldo, einem Hund und vielen Katzen.

Im Jahr 1992 beendete sie ihre Karriere als Universitätsprofessorin, forschte aber weiter. Sie definiert sich selbst als eine atheistische Wissenschaftlerin. Sie sagt dazu: “Es ist unmöglich, wissenschaftlich zu beweisen, dass Gott existiert. Die Vorstellung von Gott überzeugt mich nicht, ich glaube nicht an ihn. Ich ziehe es vor, an eine Materie zu glauben. Und diese Materie hat Eigenschaften, die wir beobachten können. Das beginnt mit der primitiven “Ursuppe” von Elementarteilchen, die die Fähigkeit hatte, sich zusammenzuschließen und immer komplexere Körper zu bilden, bis schließlich wir Menschen entstanden.”

Hack hat erheblich zur Forschung und zur Klassifizierung von Sternen beigetragen. Der 1995 entdeckte Asteroid 8558 ist nach ihr benannt.

Kollegen schätzen ihre Aufgeschlossenheit. So sagt die italienische Astrophysikerin Francesca Mateucci über sie: “Ich glaube, die Originalität von Margherita liegt darin, dass sie immer sagt, was sie denkt, zu jedem und unter allen Umständen, sowohl im Privatleben wie auch in der Wissenschaft.”

Im Interview mit Margherita Hack wollen wir versuchen herauszufinden, ob einige weit verbreitete populärwissenschaftlichen Ansichten, eine wissenschaftliche Grundlage haben oder nicht.

Wir beginnen mit dem Mond: Er wird seit Jahrhunderten mit vielen Aberglauben und Volksglauben in Verbindung gebracht. Haben sie eine wissenschaftliche Grundlage?

euronews:
Frau Professorin, manche Leute sagen, dass der Mond das Schlafen beeinflußt. Zum Beispiel sagen sie, ich habe letzte Nacht nicht geschlafen, weil es Vollmond war, kann das stimmen?

Margherita Hack:
Nun ja, wenn sie die Vorhänge offen lassen. Denn mit dem Vollmond sind die Nächte heller. Der einzige Einfluss, den der Vollmond also haben kann, ist die Nacht zu stark zu erhellen, dann schlafen die Menschen schlecht, die das Bedürfnis haben, in absoluter Dunkelheit zu schlafen.

euronews:
Einige Menschen sagen auch, dass der Mond einen Einfluß auf die Geburt von Kindern hat?

Margherita Hack:
Ich denke, das ist einer von vielen Aberglauben. Welchen Einfluss kann der Mond haben? Der Mond umkreist die Erde nahezu kreisförmig. So gibt es keine großen Unterschiede in der Anziehungskraft des Mondes auf Frauen, die kurz vor der Geburt stehen.

euronews:
Es gibt auch Menschen, die sagen, dass der Mond den weiblichen Zyklus beeinflußt. Gibt es dafür eine wissenschaftliche Basis?

Margherita Hack:
Ich denke, das ist ein Mythos. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass die Zeit der Menstruation im Durchschnitt mehr oder weniger gleich mit dem Zyklus des Mondes ist. Vielleicht hat das Anlass zu diesem Glauben gegeben.

euronews:
Man sagt, dass der Mond einen großen Einfluß auf das Gärtnern und die Landwirtschaft, besonders auf den Weinanbau hat. Bauern….

Marherita Hack:
… Bauern schwören darauf, sie sind absolut davon überzeugt, dass der Mond einen Einfluß auf die Landwirtschaft hat. Ich denke, der Mond kann Einflüsse auf das Pflanzenwachstum haben. Vielleicht deshalb, weil es heller ist bei Vollmond und die Pflanzen dann schneller wachsen, als wenn es dunkler ist, das kann sein. Aus demselben Grund kann der Mond auch einen gewissen Einfluß auf Insekten oder Vögel haben. Aber ich sehe keine anderen möglichen physikalischen Einflüsse.

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