Eilmeldung

Eilmeldung

Streit um Bodenschätze und Politik im Mittelmeer

Sie lesen gerade:

Streit um Bodenschätze und Politik im Mittelmeer

Schriftgrösse Aa Aa

Ein türkisches Forschungsschiff hat nach Angaben der Regierung in Ankara damit begonnen, vor der Küste der geteilten Mittelmeerinsel Zypern nach Öl und Erdgas zu suchen. Zur Sicherheit würden Schiff und Mannschaft von der Marine begleitet hieß es. Damit geht der Streit zwischen der Türkei und der Republik Zypern um die Gas- und Ölvorkommen in eine neue Runde, die Friedensgespräche beider Länder sind in Gefahr. Im Gespräch mit Euronews verteidigte der türkische Vizeregierungschef, Bülent Arınç, das Vorgehen seines Landes. “Die Türkei kann sich nicht einfach hinsetzen und zusehen, was passiert. Wir haben ebenfalls wirtschaftliche Interessen. Und wir werden unser Recht in Anspruch nehmen, in diesen Gewässern nach Öl zu suchen.”

Diesem Schiff stehen einige Stürme bevor.

Weniger in meteorologischer als in politischer Hinsicht. Die “Piri Reis” ist ein türkisches Forschungsschiff, speziell für seismologische Untersuchungen ausgerüstet. Seit es am vergangenen Wochenende den Hafen von Ismir verlassen hat, wird seine Route von Wissenschaftlern wie von Politikern aufmerksam beobachtet. Nördlich der Insel Zypern soll nach Gas geforscht werden.

Das ist die Antwort Ankaras auf die Entscheidung der Republik Zypern, nach Erdgas suchen zu lassen.

Die US-Firma Nobel hat den Auftrag bekommen.

Vorausgegangen waren Abkommen mit Ägypten, Libanon und Israel über die Festlegung von Wirtschaftszonen. Damit wurden – vereinfacht gesagt – am Merresboden Grenzen gezogen.

Nun schwelt aber auf der Mittelmeerinsel Zypern ein ungelöster Konflikt. Seit das osmanische Reich im 16. Jahrhundert hier Türken ansiedelte, gibt es Streit mit den Griechen. Der führte 1974 zur Teilung. Im Süden liegt die Republik Zypern, die inzwischen EU-Mitglied ist. Die selbsternannte türkische Republik Zypern im Norden wird international nicht anerkannt.

Verschärft wird der Konflikt nun durch Bodenschätze. Israelische Forscher haben dem riesigen Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer den Namen des biblischen Meeresungeheuers Leviathan gegeben. Amerikanische Techniker haben rund 110 Kilometer südlich von Zypern mit Erkundungsarbeiten begonnen – im Einvernehmen mit Israel.

Der Direktor der Erkundungsfirma spricht von der größten Entdeckung eines Erdgasfeldes im off-shore Bereich in den letzten Jahrezehnten. Besonders bedeutend könnte es für Israel werden, das dann von hier aus Erdgas sowohl nach Europa wie auch nach Asien exportieren könnte.

Das EU-Mitglied Republik Zypern hat, wie in den Regeln des internationalen Seerechts vorgesehen, mit den Anrainer Israel, Ägypten und Libanon die Grenzen der jeweiligen Wirtschaftszonen ausgehandelt. Die Türkei will nun auf eigene Faust mit Erkundungen beginnen.