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Wer hat den "schwarzen Peter" in der Krise?

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Wer hat den "schwarzen Peter" in der Krise?

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Die Märkte zeigten sich zu Wochenbeginn mal wieder lebhaft. Ist damit die Krise vorbei?

Mit Sicherheit nicht! Die Börsen rund um den Erdball bleiben nervös, von wiedergefundenem Vertrauen kann keine Rede sein. Allerdings wird die Sache diesseits und jenseits des Atlantiks unterschiedlich bewertet.

US-Präsident Barack Obama ging sehr kritisch mit den Europäern um, deren Aktionen seiner Meinung nach nicht gebracht haben, was nötig gewesen wäre.

Solche Töne hörend, sollte man vielleicht im Hinterkopf haben, dass der amerikanische Präsident eigentlich schon Wahlkampf macht. Da ist es immer gut, wenn man für unübersehbare Probleme die Schuldigen anderswo ausmachen kann.

Wahlen stehen ja auch in Europa an, früher oder später, da wäre es vielleicht gut, sich daran zu erinnern, wie intensiv die Volkswirtschaften heutzutage miteinander verbunden sind, in guten wie in schlechten Zeiten.

Probleme haben sie alle, die kleinen wie die großen Länder. Und keiner leidet für sich allein.

Nimmt man zum Beispiel den viel gescholtenen Sünder Griechenland: Die Grafik zeigt, wer alles den Griechen Geld geliehen hat, so dass die sich überhaupt so hoch verschulden konnten.

So wird daraus schnell ein Domino-Effekt, die Schwäche der einen wirkt auf die Partner zurück.

Ein schönes Beispiel liefern mehrere der großen französischen Banken. Die haben solange mit den griechischen Staatsanleihen spekuliert, bis alles zu spät war und sie am Ende auch auf den nicht mehr einzulösenden Schuldscheinen sitzen blieben.

Und dann bekamen plötzlich auch die eben noch so grundsolide aussehenden Banken von den Ratingagenturen schlechte Zensuren verpasst. Die

Abwertung der eigenen Kreditwürdigkeit wirkt sich nun mal schlecht auf das Geschäft aus.

Da helfen auch gegenseitige Schuldzuweisungen nichts.

Die Europäer werfen die amerikanischen Ratingagenturen vor, die wollten die Dollar stützen – gegen den Euro. Zurück schallt es: Der Euro stecke in der Krise. Der Nobelpreisträger für Ökonomie, Paul Krugman, meint: “ Wenn man sich die aktuelle Aktionen anschaut, nicht die Rethorik, dann sind die Unterschiede zwischen den USA und Europa gar nicht so groß. Nur nähert man sich leider bei den falschen Sachen an – etwa bei Sparprogrammen – und das Ergebnis wird auf beiden Seiten katastrophal sein.”

Gleiche Probleme hier wie dort. Gleiche Versuche, dem anderen den schwarzen Peter zuzuschieben.

Das muss es nicht verwundern, wenn einem Jean-Claude Juncker mal der Kragen platzt und er daran erinner, dass weder griechische Arbeitslose noch irische Arbeiter an den Bankpleiten in den USA schuld seien.