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Edvard Munch: Der Expressionist und das Handy-Foto

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Edvard Munch: Der Expressionist und das Handy-Foto

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Das Centre Pompidou in Paris beherbergt derzeit eine Ausstellung mit Bildern des norwegischen Malers Edvard Munch. Während vor allem dessen Werk “Der Schrei” berühmt ist, sind hier überwiegend unbekanntere und teils noch nie gezeigte Bilder zu sehen. Die Schau trägt den Titel “Edvard Munch, l’oeil moderne” (Edvard Munch, das moderne Auge) und die soll ein neues Licht auf den Expressionisten werfen. So wollen die Kuratoren Angela Lampe und Clément Chéroux mit bestimmten Vorstellungen aufräumen, die Werk und Maler umgeben. Etwa der des einsamen Künstlers. Zu sehen gibt es rund 80 Gemälde, dreißig Zeichnungen auf Papier, Fotos und einen Film.

Angela Lampe: “Diese Ausstellung vertritt einen neuen Standpunkt mit Hilfe von Bildern, die es noch nie in Frankreich zu sehen gab. In einem Raum haben wir sogar Werke, die noch nie irgendwo öffentlich gezeigt wurden. Es sind Zeichnungen, die Munch machte, als er ein Blutgerinnsel im Auge hatte und schlecht sah. Es sind ganz wunderbare, überraschende und abstrakte Zeichnungen, die niemals zuvor in einer großen Munch-Ausstellung gezeigt wurden.”

Neben anderem zeigt die Ausstellung auch, welch großen Einfluss Theater, Film und Fotografie auf das Schaffen des Norwegers hatten. Obschon die meisten seiner berühmten Werke aus dem 19. Jahrhundert stammen, zeigen die Kuratoren Munch als einen der Moderne, dem 20. Jahrhundert mit all seinen neuen Möglichkeiten zugewandten Menschen. 50 Schwarz-Weiß-Fotos sowie Filmmaterial sind zu sehen.

Kurator Clément Chéroux “Munch hat eine eigene Methode des Fotografierens entwickelt. Er ist, soweit ich weiß, der erste Fotograf im 20. Jahrhundert, der Fotos von sich selbst gemacht hat. Im Grunde genau so, wie die jungen Leute es heute mit ihren Handys tun.”

Die Ausstellung ist noch bis Januar kommenden Jahres in Paris zu sehen. Danach zieht sie weiter, von Februar bis Mai ist sie in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt untergebracht, und danach in der Londoner Tate Modern. Wer im übrigen hofft, Munchs “Schrei” zu Gesicht zu bekommen, wird enttäuscht sein, denn den gibt es hier, anders als in zahllosen deutschen WG-Zimmern, nicht zu sehen.