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Rassismus-Klage: Tim und Struppi im Gericht

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Rassismus-Klage: Tim und Struppi im Gericht

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Damit wollte sich Bienvenu Mbutu aus der Demokratischen Republik Kongo nun wirklich nicht identifizieren: Schwarze Faulpelze, die Schwierigkeiten mit der Grammatik haben. Auf sie stößt der Comic-Reporter Tim, als er mit seinem Hund Struppi im Buch “Tim im Kongo” in der belgischen Kolonie unterwegs ist.

Seit 4 Jahren kämpft der Politik-Student gegen den Verkauf des 80 Jahre alten Büchleins – jetzt hat in Belgien offiziell der Prozess begonnen.

Bienvenu Mbutu:

“Wenn man solche Sachen sieht, dann kann man sie nicht akzeptieren, mitten im 21. Jahrhundert. Und man kann sie auch nicht mehr einfach so laufenlassen wie bisher. Vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung bin ich überzeugt, dass wir nicht einmal mehr einen Hauch von Rassismus tolerieren können. Man muss das bekämpfen, damit die Gesellschaft ihren Frieden hat.”

Den Anwalt der Gegenseite erinnert das Verfahren – mit gleicher sprachlicher Wucht – an die Bücherverbrennung.

Alain Berenboom, Rechtsanwalt von Moulinsart:

“Damit öffnet man doch Pandoras Büchse. Das bedeutet, dass man morgen die Werke von Dickens verbieten lassen will, wegen der antisemitischen Passagen, Mark Twain, warum nicht gleich die Bibel.”

Das Buch “Tim im Kongo” sei aus einer sehr naiven Sicht auf Afrika entstanden, räumte selbst Zeichner Hergé ein. Und entfernte für die Farbauflage von 1946 alle Hinweise, dass die “Demokratische Republik Kongo” einst belgischen Kolonie war.

Die 23 Abenteuer von “Tintin” wie Tim im original heißt, wurden in 77 Sprachen übersetzt und 220 Millionen mal verkauft.

Immerhin, der wirklich Böse in “Tim im Kongo” ist ein Abgesandter der Mafia. Und weiß.

mit AP, afp