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Chronik einer Mordgeschichte

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Chronik einer Mordgeschichte

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Dies ist der Tatort. Via Pergola Nummer 7 im italienischen Universitätsstädtchen Perugia.

Hier wurde am 2. November 2007 die britische Austauschstudentin Meredith Kercher tot aufgefunden. Halbnackt, vergewaltigt, mit 43 Messerstichen ermordet.

Die 21jährige aus Leeds hatte sich hier mit der Amerikanerin Amanda Knox aus Seattle eine Wohnung geteilt. Die Ermittler vermuten, dass eine Sex-Party aus dem Ruder lief, bei der womöglich auch Drogen im Spiel waren. Genauere Angaben zum Hergang gibt es auch heute nicht.

Vier Tage später wurden Amanda Knox und ihr damaliger italienischer Freund Raffaele Sollecito festgenommen. Sie legte eine Geständnis ab und beschuldigte den Kongolesen Patrick Diya Lumumba der Mittäterschäft. Der Barmusiker wurde nach zwei Wochen durch die Aussage eines Gastes der Bar entlastet und freigelassen.

Am 20 November wurde im deutschen Mainz ein polizeibekannter Drogendealer festgenommen. Dieser Rudy Herman Guede, ein Ivorer, trat als Zeuge der Anklage auf. Dafür wurde sein Prozeß als Schnellverfahren von dem Hauptverfahren abgetrennt. Obwohl er sich in seinen Aussagen mehrfach widersprach, wurde seine Strafe von zunächst 30 Jahren Gefängnis wegen Beihilfe zum Mord sehr bald auf 16 Jahre heruntergesetzt.

Die Hauptverhandlung von 2009 endete mit einer 427 Seiten starken Urteilsbegründung, in der von einem “einheitlichen und vollständigen Bild der Tat” die Rede war. Danach sollte Guede das Opfer vergewaltigt haben, das anschließend von Knox und Sollecito erstochen wurde.

Ihr Geständnis von 2009 und auch ihre falschen Anschuldigungen gegen Patrick Lumumba hat Amanda Knox inzwischen zurückgenommen mit dem Argument, sie sei falsch verstanden worden, weil sie damals kaum Italienisch sprach und sie sei auch unter Druck gesetzt worden.

Im Dezember 2009 war Amanda Knox zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt worden, Rafaelle Sollecito zu 25 Jahren

Im Berufungsverfahren präsentierten die Verteidiger reihenweise Belege für die schlampige Arbeit der Ermittler. DNA-Spuren waren verschmutzt, der blutige Pullover des Opfers sei erst nach 48 Tagen in einem Wäschekorb gefunden und die blutige Matratze sei gestohlen worden.