Eilmeldung

Eilmeldung

Braucht der Euro-Krisenfonds einen "Kredithebel"?

Sie lesen gerade:

Braucht der Euro-Krisenfonds einen "Kredithebel"?

Schriftgrösse Aa Aa

Keine Entscheidung zu Griechenland also bis zur Rückkehr der Experten aus Athen am Mittwoch, aber ermutigende Andeutungen beim Finanzministertreffen in Luxemburg am Montag. Trotz Verfehlung der Haushaltsdefizitsvorgabe sei es verfrüht, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen, hieß es in diplomatischen Kreisen. Der belgische Finanzminister Didier Reynders drängte auf rasches Handeln:

“Mit jedem Tag, an dem wir negative Signale aussenden, verlieren wir Zeit, und auch viel Geld. Nachdem Griechenland die entsprechenden Anstrengungen unternommen hat, hoffe ich, dass in den kommenden Stunden oder Tagen die nächste Tranche überwiesen werden kann und dass die nationalen Parlamente ihre Arbeit tun.”

Das europäische Instrument für diese Hilfen in der Not, der Stabilitätsfonds EFSF soll, wenn alle Parlamente zustimmen, 440 Milliarden Euro betragen, aber reicht das?

Die finnische Ministerin Jutta Urpilainen hat sichtlich keinen Appetit auf mehr:

“Wir sind gegen eine Ausweitung der Kapazitäten des Stabilitätsfonds”.

Und auch ihr deutscher Kollege Wolfgang Schäuble

will von einem sogenannten Kredithebel derzeit nichts wissen.

“Im EFSF sind bisher nur zehn Prozent (..)

durch Programme für Griechenland und Portugal belegt. Und deswegen machen diese Spekulationen jetzt auch gar keinen Sinn.”

Das Modell des Kredithebels sieht eine Vervielfachung des Fonds durch Finanzinstrumente ohne Erhöhung der Haftung vor.

Für den Wirtschaftsexperten der College-d`Europe-Stiftung Pierre Defraigne wird es ohne nicht gehen:

“Zweifelsohne brauchen wir diese Hebelwirkung, die 440 Milliarden müssen verstärkbar sein. Es wäre aber ein großer Fehler, sich dabei ganz auf die Europäische Zentralbank zu verlassen, denn damit würden wir es den Politikern erlauben, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die wahre Aufgabe besteht doch darin, diese Währungsunion in eine Wirtschaftsunion zu verwandeln, mit eigener Steuerhoheit. Nur so lassen sich die Märkte ihrer schädlichen Wirkung berauben.”