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IWF stellt Weltwirtschaftsausblick vor

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IWF stellt Weltwirtschaftsausblick vor

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Der IWF sagt für 2012 eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Europa voraus. Das wird sich vor dem Hintergrund weltweit geringerer Aktivitäten vollziehen, vor allem in den aufstrebenden Ländern mit noch unausgeglichener Entwicklung. Laut Weltwirtschaftsausblick, den der IWF gerade herausgegeben hat, ist der noch im ersten Quartal 2011 festzustellenden wirtschaftlichen Erholung bereits im 2. Quartal schon wieder die Luft ausgegangen.

Diese Verlangsamung der Erholung wird einerseits dem Tsunami in Japan mit all seinen weitreichenden Folgen zugeschrieben und zum anderen dem “arabischen Frühling”, der die Erdölpreise hat ansteigen lassen.

Aber auch die Schuldenkrise in der Eurozone hat ihr Scherflein zur eben nicht erfreulichen Entwicklung beigetragen. Das Vertrauen der Märkte wurde durch weitere Herunterstufungen durch die Ratingagenturen erschüttert.

Die Prognose für Europa zeigt einen kontinuiertlichen Wachstumsrückgang. Lag das Wirtschaftswachstum 2010 noch bei 2,4% , so war es 2011 mit 2,3% schon ein Zehntel weniger und für 2012 sagt der IWF-Ausblick nur noch 1.8% voraus.

Selbst Deutschland und Schweden, Europas Musterschüler, konnten dem Negativtrend nicht entkommen. Trotz aller Wettbewerbsfähigkeit.

Und in den Euro-Schuldenländern, wo die Märkte Druck machen, damit gespart wird, steigt die Arbeitslosigkeit. Ob Griechenland oder Portugal, die beiden am schlimmsten betroffenen Volkswirtschaften werden lauf IWF-Voraussage bis Anfang 2013 weiter in der Rezession stecken.

Der IWF sagt für 2012 voraus: minus 1,8 % für Portugal und gar minus 2 % für Griechenland lautet die Prognose. Für Spanien: leichte Erholung bei 1,1%, Italien kaum meßbare 0,3% und selbst Deutschland werden nur schmale 1,3 % Wachstum zugetraut. Echtes Wachstum wird weiter östlich erwartet: Polen 3%, Litauen 3,4% und Lettland 3%.

Nun ist es an der Politikern der Eurozone, aus den vorliegenden wenig hoffnungsvollen Aussichten das Besten für den Euro und seine Nutzer zu machen.

Sie raten vor allem allen Regierungen zu mehr Disziplin und diskutieren auch über die Abtretung gewissen Steuerrechte der Staaten an die Bewahrer der Gemeinschaftswährung die Rede.

IWF-Europachef: “Ich kann eine Rezession nicht ausschließen

 
euronews:
Um die stürmischen Fluten zu untersuchen, in denen sich Europa derzeit befindet, sprechen wir jetzt mit António Borges, dem Leiter der Europaabteilung des Internationalen Währungsfonds. Herr Borges, die Weltwirtschaft schrumpft, die Märkte sind nervös und die Banken befinden sich auf einem gefährlichen Kurs. Steht die Welt am Rande einer neuen Rezession?
 
António Borges:
Ich hoffe nicht. Aber wir können es auch nicht ganz ausschließen. Die Wirtschaftsleistung in den USA und in Europa geht merklich zurück, und wenn das passiert, besteht immer die Gefahr einer Rezession. Wir gehen aber von einem weiteren Wachstum aus, auch, wenn es gering sein mag. Aber ein negativeres Szenario können wir nicht ausschließen.
 
euronews:
Wie sehen Sie das heutige Europa in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht verglichen mit Europa von vor zehn Jahren?
 
António Borges:
Das heutige Europa ist ganz offensichtlich viel wohlhabender und es hat ein höheres Wachstumspotential. Das liegt im Kern an der erfolgreichen Eingliederung bestimmter osteuropäischer Länder.
 
euronews:
Es gibt aber auch Griechenland und Portugal, deren Wirtschaft nicht wächst.
 
António Borges:
Ja, es gibt gute und – besonders an der Peripherie Europas –  schlechte Beispiele für Integration. Es gibt eben Länder, die die Chancen des Euro von Anfang an nicht genutzt haben. Sie haben ihre Ressourcen schlecht genutzt, sie haben einen hohen Schuldenstand, der es ihnen unmöglich macht, wirtschaftlich zu wachsen. Jetzt, in der Krise, muss das gelöst werden.
 
euronews:
Das Rettungsprogramm der Troika zeigt keine Wirkung, im Gegenteil: Die Lage in Griechenland wird immer schlechter. Waren die Maßnahmen dennoch richtig? Was würden Sie ändern, wenn Sie nochmal von vorn anfangen könnten?
 
António Borges:
Nicht viel, das Programm muss einfach umgesetzt werden. Das mit Griechenland ausgehandelte Rettungspaket besteht aus ganz verschiedenen Punkten, und viele von ihnen wurden vernachlässigt. Wir haben uns auf den Haushalt konzentriert, denn dieser war in schlechtem Zustand, und daher hat er unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es ist enorm wichtig, dass das Land wieder wettbewerbsfähig wird.
 
euronews:
Glauben Sie, bestimmte Banken sind gefährdet? Müssen sie sich rekapitalisieren, wie Christine Lagarde es fordert?
 
António Borges:
Die europäischen Banken werden in Schwierigkeiten geraten, denn es gibt ein generelles Vertrauensproblem. Nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Daher besteht unsere Direktorin Lagarde darauf, dass die Rekapitalisierung der Banken vorrangig ist, damit sie mehr Kapital besitzen und die Märkte sich beruhigen.
 
euronews:
Aber der Stresstest zeigte doch, dass Kapital da ist…
 
António Borges:
Naja, aber selbst wenn sie den Test problemlos bestanden, befinden sie sich in einer generell schlechten Marktlage, da die Investoren sich zurückziehen.  
 
euronews:
Wer ist schuld an der Krise?
 
António Borges:
Die Verantwortung tragen mehrere Akteure. Manche der größten Länder haben ja ihre Haushaltsdisziplin über Bord geworfen und bei der Neuverschuldung das vertraglich festgelegte Limit von 3 Prozent überschritten. Aber auch das Finanzsystem trägt Verantwortung, da es große Abweichungen bei der Haushaltsdisziplin toleriert hat, ohne die Preise oder Zinssätze zu erhöhen, weil ja das Risiko stieg. Zeitweise gingen die Märkte mit portugiesischen und griechischen Anleihen fast genauso um wie mit deutschen. Das war ganz klar falsch.