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Margherita Hack: "Astrologie ist Aberglaube"

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Margherita Hack: "Astrologie ist Aberglaube"

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Viele Menschen schauen täglich ins Horoskop, um zu erfahren, was die Zukunft bringt. Arbeit, Liebe oder das große Geld, all das verraten angeblich die Sterne. Wer es ganz genau wissen will, geht zum Astrologen für eine persönliche Beratung gegen ein entsprechendes Entgelt. Insbesondere das Schicksal und der Charakter eines Menschen sollen aus dem Stand der Sterne zum Zeitpunkt seiner Geburt ermittelbar sein. Was ist dran an der Astrologie? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bewegung bestimmter Himmelskörper und den Geschehnissen auf der Erde? Wir haben Margherita Hack befragt, die renommierte italienische Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalistin in ihrem Haus in Triest.

euronews:

Frau Professor Hack, haben Horoskope eine wissenschaftliche Grundlage?

Margherita Hack:

Nicht die geringste, Astrologie ist Aberglauben. Sie entstand vor vielen Jahrhunderten gemeinsam mit der Astronomie, als man noch nichts wusste über Sterne und Planeten, wie weit sie von einander entfernt sind. Die Menschen stellten sich den Sternenhimmel als eine undurchlässige Kuppel über der Erde vor, die von Sternen bevölkert war und Planeten, die man mit Göttern in Verbindung brachte. Man glaubte, dass sich Götter und Menschen gegenseitig beeinflussten und sogar auf Liebesgeschichten einließen. Heute wissen wir, wie weit die Sterne entfernt sind, was Sterne und Planeten unterscheidet. Wir kennen ihre Strahlung und Magnetfelder und wissen, dass Partikel von Himmelskörpern auf die Erde fallen. Wir können ihre Anziehungskraft berechnen und wissen, dass sie keinen mess- oder nachweisbaren Einfluss auf den Menschen haben.

euronews:

Wie können dann Astrologen die Zukunft voraussagen?

Margherita Hack:

Das können sie nicht, sie tun nur so, als ob, sie haben viel Phantasie. Manche sind überzeugt von dem, was sie tun, andere sind ganz einfach Betrüger.

euronews:

Es heißt, dass Sternzeichen zum Beispiel Löwe, Jungfrau oder Wassermann bestimmte Eigenschaften haben. Wie kam man darauf?

Margherita Hack:

Einer von vielen Aberglauben. Es gibt keine Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, die zum selben Zeitpunkt auf die Welt kommen. Das alles ist reiner Aberglaube. Unter Umständen denkbar wäre ein klimatischer Einfluss. Menschen, die im Juli oder August geboren sind, im hellen Sonnenschein, haben vielleicht ein fröhlicheres Gemüt als Menschen, die im November Geburtstag feiern. Das ist möglich, müsste allerdings durch eine Untersuchung belegt werden.

euronews:

Vielleicht brauchen die Menschen etwas, an das sie glauben können?

Margherita Hack:

Auf gewisse Weise, ja. Menschen, die an Astrologie glauben, brauchen jemanden, der sie anleitet, der ihnen sagt, triffst Du eine ganz besondere Person, verhalte Dich auf diese oder jene Weise. Letztlich ist es ein Zeichen der Schwäche, das man einen Berater dieser Art braucht, statt sich auf die eigene Stärke zu verlassen.