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Europarat gegen prenatale Selektion

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Europarat gegen prenatale Selektion

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Wollen Sie das Geschlecht Ihres Kindes bestimmen?

Es ist machbar – und wird auch in Europa zunehmend praktiziert. Das größte Interesse daran haben chinesische Paare, denen laut Gesetz nur ein Kind erlaubt ist. Auch in Indien, wo die Tradition Mädchen zu unnützen Wesen herabwürdigt, ist solche Praxis hochwillkommen. Das Verfahren heisst “prenatale Selektion”. Mit der Frage, wieweit das ethisch zu vertreten ist, beschäftigt sich der Europarat. Der spanische Abgeordnete Jordi Xucla i Costa aus der Parlamentarischen Versammlung des Europarates sagt: “Ich glaube, es ist gut, die Dinge beim Namen zu nennen und jene Länder zu benennen, in denen ausdrücklich das männliche Geschlecht bevorzugt wird. Wir sprechen von Armenien, Aserbaidschan und Albanien.”

Das natürliche Verhältnis der Geschlechter besagt, dass auf 100 Mädchen 105 Jungen geboren werden.

In Georgien kommen 111 Jungen auf 100 Mädchen, in Armenien, Aserbaidschan und Albanien jeweils 112. Diese gewollte Dominanz des männlichen Nachwuchses hat natürlich historisch-kulturelle Ursachen. Die negativen Folgen zeigen sich spätestens nach einer Generation. In China hat diese Bevorzugung von männlichem Nachwuchs schon zu einem drastische Bräutemangel geführt .

Die Schweizer Parlamentarierin Doris Stump nannte im Bericht der Kommission für Gleichberechtigung des Europarates solche negativen Folgen, verwies auf gestiegene Gewalt in China, auf Mädchenraub und Menschenhandel.

Am 3. Oktober 2011 rief die Parlamentarische Versammlung des Europarates alle 47 Mitgliedsländer auf, die prenatale Selektion zu verbieten und dafür entsprechende Gesetze zu verabschieden. Als einzige Ausnahme dürfe nur eine geschlechtsspezifische schwere Krankheit gelten.

“Wollen wir Kinder bauen wie Autos?”, fragte Doris Stump. “Heute sagen, wir möchten lieber ein rotes und morgen lieber ein blaues. Bei Kindern, denke ich, sollten wir akzeptieren, was uns die Natur gibt.”