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Frankreich, Armenien und die Türkei oder "Jeder kehre vor seiner eigenen Tür"

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Frankreich, Armenien und die Türkei oder "Jeder kehre vor seiner eigenen Tür"

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Bei einem Staatsbesuch in Armenien hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Türkei dazu aufgerufen den Völkermord an den Armeniern endlich anzuerkennen und sich dafür zu entschuldigen.

Ahmet Davutoglu, der türkische Außenminister,

konterte, dass Frankreich erst seine Kolonialvergangenheit aufarbeiten solle, statt anderen Lektionen zu erteilen über den Umgang mit Geschichte. “Solche Bemerkungen sind nichts weiter als politischer Opportunismus. Leider greifen europäische Politiker immer darauf zurück, wenn eine Wahl ansteht. Es wäre dem Weltfrieden dienlicher, wenn Frankreich seine eigene Geschichte aufarbeiten würde, insbesondere seine Geschichte mit den afrikanischen Ländern,” so Davutoglu.

Die Leugnung des Völkermords an den Armeniern könnte in Frankreich künftig strafbar sein, wenn Sarkozy seine Drohung wahr macht und ein neues Gesetz verabschiedet. Sarkozy betonte: “Wenn ein großes Land wie die Türkei dieses dunkle Kapitel seiner eigenen Geschichte anerkennen würde, also den Massenmord an dem armenischen Volk zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dann wäre das in den Augen von Frankreich und Armenien ein großer Schritt nach vorne.”

In den Jahren 1915 bis 1917 wurden im ausgehenden Osmanischen Reich nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei räumt ein, dass mehrere hunderttausend Armenier getötet wurden, es sei jedoch kein Völkermord.