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Gewalt gegen Journalisten - ein Angriff auf den Journalismus

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Gewalt gegen Journalisten - ein Angriff auf den Journalismus

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Manchmal zahlen Journalisten einen hohen Preis dafür, dass sie einfach nur die Wahrheit sagen. So ist Russland für Journalisten seit Jahren eines der gefährlichsten Länder. Darüber sprechen wir mit dem

Bürgerrechtler Alexej Simonow von der Stiftung zum Schutz der Glasnost.

Euronews: Vor fünf Jahren ist Anna Politkowskaja ermordet worden. Die Hintermänner sind immer noch unbekannt. Ist Russland wirklich das Land der Verbrechen ohne Strafe?

Simonow: Ja, leider. Und darum ging es auch immer,

wenn wir in den letzten fünf Jahren mit Behörden gesprochen haben. Die ganze Zeit ging es um Verbrechen gegen Journalisten, die ungesühnt bleiben. Genauer kann man nicht ausdrücken, was hier zur Zeit passiert.

Euronews: Soll man dagegen kämpfen?

Simonow: Man muss kämpfen und man kann auch kämpfen. Dazu muss man vor allem die Menschen informieren. Daran haben wir die letzten drei Jahre gearbeitet, zusammen mit der Internationalen Journalistenföderation und dem Russischen Journalistenverband.

Seit 1993 überwachen wir schon die Lage: Aber jetzt

haben wir auch moderne Mittel und können den Geschehnissen in den Massenmedien folgen; besonders, wenn Rechte von Journalisten verletzt werden.

Euronews: Ihre Einrichtung gibt es seit zwanzig Jahren. Wie schützt man Journalisten am besten, in Russland ebenso wie außerhalb?

Simonow: Gerade gestern haben wir eine neue Datenbank vorgestellt. Damit können wir besser Angriffen auf Journalisten nachgehen – Schläge, Drohungen, Entlassungen, Zensur: Insgesamt sechs strafrechtlich relevante Tatbestände.

Unser Projekt ist international und sorgt auch international für Aufmerksamkeit. Die Journalistenföderation weist darauf auf ihrer Webseite hin. Starkes Interesse kommt aus Ländern, wo gegen Journalisten viele Verbrechen verübt werden: Mexiko, Kolumbien, Philippinen.

Wir haben damit kein Patentrezept, aber es macht unsere Arbeit wirkungsvoller. Bei zwei Dingen kann diese Datenbank allerdings nicht helfen: Die Justiz selbst muss ein Interesse zeigen, und das haben wir bis jetzt nicht geschafft. Und wichtig ist auch die eigene Verantwortung jedes Journalisten.

Auch die Journalisten müssen begreifen, dass sich diese Dinge nicht nur gegen sie selber richten, sondern gegen ihren Dienst am Volk.

Man muss Gewalt gegen Journalisten als Angriff auf den Journalismus betrachten. Das ist sehr wichtig: Wenn wir das nicht verstehen, können wir auch nichts ändern. Dann wird die Gesellschaft auch nicht

aufwachen.