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Vitali Klitschko: "Die Politik ist der härteste Kampf"

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Vitali Klitschko: "Die Politik ist der härteste Kampf"

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Im Boxring herrscht Vitali Klitschko mit eiserner Faust – seine Karriere als Politiker gestaltet sich etwas schwieriger. Zweimal verfehlte der ukrainische Box-Weltmeister die Wahl zum Bürgermeister von Kiew – obwohl er in seiner Heimat extrem beliebt ist.

In einem Interview mit Euronews-Korrespondentin Nataliia Liubchenkova erklärt Vitali Klitschko, was das Boxen und die Politik verbindet.

Nataliia Liubchenkova, Euronews:

Was sind die Gemeinsamkeiten zwischen Sport und Politik?

Klitschko:

Da gibt es viele Überschneidungen: In beiden Bereichen musst du hart arbeiten, um ans Ziel zu gelangen. Meine Charakterzüge, die mir beim Sport weitergeholfen haben, kann ich auch in der Politik gut einsetzen. Gleichzeitig läuft es in der Politik dann auch wieder ganz anders als beim Sport: Manchmal hab ich das Gefühl, die Politik ist der härteste Kampf überhaupt.

Euronews:

Wie lange hat es gedauert, vom Sport in die Politik zu wechseln? Und was war die größte Herausforderung auf dem Weg?

Klitschko:

Egal, was man tut, man braucht Erfahrung. Der Schritt vom Sport in die Politik war nicht leicht. Aber ich habe ja auch viele Jahre gebraucht, um Box-Weltmeister zu werden. In der Politik fällt es mir oft schwer, die Regeln zu verstehen. Und oft gibt es in der Politik auch schlichtweg keine Regeln und alles scheint möglich…

Euronews:

Als Kind bewunderten Sie Arnold Schwarzenegger. Haben Sie heute ein Vorbild in der Politik?

Klitschko:

Ich bin sehr dankbar dafür, Sportler zu sein. Das hat mir wichtige Türen geöffnet. So konnte ich viele bedeutende Personen aus Wirtschaft und Politik kennenlernen. Ich bin sehr froh, Bill Clinton persönlich zu kennen, oder Joschka Fischer. Und ich habe auch grossen Respekt vor Roosevelt.

Euronews:

Die Wahlen zum Bürgermeister von Kiew haben Sie bereits zweimal verloren. Weshalb?

Klitschko:

Ich habe die Wahlen nicht verloren – ich habe sie nur nicht gewonnen! Ich möchte da jetzt nicht nach möglichen Gründen suchen. Ich konnte die Menschen wohl einfach nicht überzeugen, dass Klitschko ein guter Bürgermeister für Kiew sein würde.

Euronews:

Interessiert sich Ihr Bruder für Politik? In den USA gab es die Kennedy-Familie, in Polen die Kaczynski-Brüder. Werden auch in der Ukraine bald beide Klitschko-Brüder in der Politik mitmischen?

Klitschko:

Mein Bruder hat keine Pläne in dieser Hinsicht. Aber er unterstützt mich in allem, was ich tue.

Euronews:

Wovor hat ein Vitali Klitschko Angst?

Vitali Klitschko:

Wenn jemand sagt, er hat nie Angst, dann lügt er. Ich möchte nicht über meine Ängste sprechen, weil das mein schwacher Punkt ist. Mir ist wichtig, dass es meiner Familie gut geht, dass sie gesund ist. Ja, natürlich habe ich Angst vor bestimmten Dingen, aber das motiviert mich auch… Angst motiviert mich, mich an ganz neue Dinge heranzuwagen, in Bereichen, wo ich mich unsicher fühle.

Euronews:

Was motiviert Sie beim Boxen? Sie haben ja alle Ziele bereits erreicht, andere hat ihr Bruder erreicht…

Klitschko:

Ohne Motivation macht alles keinen Sinn. Ich habe auch beim Boxen noch Träume. Das Leben ist langweilig ohne Träume. Es ist schlecht ohne Träume. Deshalb habe ich immer noch Ziele, die ich erreichen möchte. Aber das bleibt ein Geheimnis, bis es soweit ist. Jedenfalls mache ich erstmal weiter mit dem Boxen.

Euronews:

Und nach ein paar weiteren Kämpfen werden Sie Ihre Box-Karriere dann beenden…?

Klitschko:

Auf jeden Fall werde ich es nicht so machen wie George Foreman, der mit 45 noch Weltmeister wurde. Ich kann jederzeit meine Boxhandschuhe weglegen und sagen: das war es, danke für die Unterstützung, ich höre auf mit dem Sport.

Euronews:

Es wird gesagt, dass nur Nikolai Valuev und David Haye Sie wirklich herausfordern könnten. Das sagt auch Ihr Manager. Haben Sie Pläne, gegen die beiden anzutreten?

Klitschko:

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Bevor der Vertrag nicht unterschrieben ist, kann ich nichts bestätigen. Bis dahin bleibt das reine Spekulation.

Euronews:

Aber Lust hätten Sie?

Klitschko:

Nikolai Valuev hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Er ist der größte Boxer der Welt. Es wäre also etwas ganz besonderes, gegen ihn anzutreten. Ja, doch – ich würde gerne mit ihm in den Boxring steigen.

Euronews:

Man sagt, dass Sie gerne Schach spielen. Haben Sie sich schon mit bekannten Schachspielern gemessen?

Klitschko:

Ja, ich spiele schon seit vielen Jahre Schach… Aber nicht professionell. Ich habe schon gegen den ehemaligen Schachweltmeister Vladimir Kramnik gespielt. Und ich hab 30 Schachzüge gegen Gary Kasparov geschafft. Das ist eine sehr gute Leistung!