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Kandidatenkür bei Frankreichs Sozialisten

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Kandidatenkür bei Frankreichs Sozialisten

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“ François au président” – Das riefen Frankreichs Sozialisten doch schon einmal, im Mai 1981 . Und damals bekamen sie ihren Präsidenten Francois Mitterrand. Bei dem hat der heute bejubelte Francois Hollande gelernt, dass man man eine eingängige Losung braucht, wie: “Ich bin der Kandidat des Wandels”.

“Je suis le candidat du changement.

“Au second tour, je porterai ce changement de fond”

Konkurrentin Martin Aubry verspricht auch Wandel, nur noch tiefgreifender. Frankreichs Sozialisten versuchen, sich aus der Not einer fehlenden charismatischen Führungsfigur zur Tugend der Basisdemokratie zu retten.

Die beiden, die da in die Stichwahl gehen, verbindet eine tiefe Abneigung. Sie hat ihn “Weichei” genannt, er konterte “Lügnerin”. Parteifreunde eben. Erst war er Parteivorsitzender, recht glücklos und farblos. Dann übernahm sie den Posten.

Hier Vorteil heisst Regierungserfahrung. In der letzten linken Regierung war sie die Nummer 2.

Die 35-Stunden-Woche geht auf ihr Konto. Die Dame vom linken Parteiflügel lenkt seit Jahren außer den Geschicken ihrer Partei auch jene der Großstadt Lille.

Er war immer so eine Art Sherpa. Einer der mehr im Hintergrund fleißig arbeitet, ohne dafür groß bekannt zu werden. Seine 11 Jahre als Parteichef haben daran nicht viel geändert.

Wenn es ihm an etwas ganz entschieden fehlt, dann an Schärfe und Klarheit in der politischen Auseinandersetzung. Wo sie kein Blatt vor den Mund nimmt, bleibt er eher versöhnlerisch.

Er bekam jüngst unerwartetes Lob vom politischen Gegner. Ex-Präsident Chirac, dessen Heimatort zu Hollandes Wahlskreis gehört, meinte, diesen heimatverbundenen Mann werde er wählen.

Echte Unterschiede in den Programmen von Hollande und Aubry sucht man vergebens, man findet höchtens Nuancen. Er möchte durch gewisse Steuerreformen Firmen Anreize geben, mehr junge Leute einzustellen. Sie, die ehemalige Ministerin für Arbeit und Solidarität, die so etwas schon einmal vergeblich probiert hat, befürchtet, dass die Mitnahmeeffekte für die Firmen am Ende überwiegen.