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"Dieses Urteil wird jeden Aspekt der beziehungen beeinflussen"

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"Dieses Urteil wird jeden Aspekt der beziehungen beeinflussen"

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Das Urteil gegen Julia Timoschenko hat die Ukraine geschockt und viele Menschen in der Welt überrascht. Nach der Urteilsverkündung sahen wir Straßenschlachten mit der Polizei. Wir fragten den Experten für Internationale Politik Wadim Karasow über die Konsequenzen des Urteils für die ukrainische Innen- und Außenpolitik.

euronews:
“Ist das ein einschneidender Moment für das politische Establishment?”

Wadim Karasow:
“Vielleicht, wenn Timoshenko eingesperrt wird. Dann ist klar, dass die Konzentration wirtschaftlicher und politischer Macht in den Händen Janukowitschs komplett ist und das von ihm gebildete Regime ist vollendet. Es ist klar, dass das Auswirkungen auf die Beziehungen zur EU hat. Es wird auch Sorgen hinsichtlich der Parlamentswahl 2012 geben”.

euronews:
“In den vergangenen Wochen hat die EU der ukrainischen Justiz Voreingenommenheit vorgeworfen. Welche weiteren Schritte kann die EU unternehmen?”

Wadim Karasow:
“Die Frage der Freihandelszone und des Assoziierungsabkommens wird aufkommen. Darauf kann Europa verzichten. Die Ukraine hat nur zwei Optionen. Entweder sich Putins Eurasischer Union zuzuwenden oder in geopolitischen Gesprächen mit Russland und der EU sich den günstigsten Partner aussuchen. Wenn Timoschenko im Gefängnis bleibt, dann wird sich Janukowitsch Russland zuwenden und als Preis billiges Gas verlangen. Die Alternative wäre zu warten, ob die EU das Freihandelsabkommen unterzeichnet ohne die Freilassung Timoschenkos zu verlangen”.

euronews:
“Innerhalb von 15 Tagen kann Berufung eingelegt werden. Kann die Strafe noch geändert werden?”

Wadim Karasow:
“Das hängt von der EU ab, ob sie Janukowitsch überzeugen kann, zurückzustecken. Wenn nicht, dann hängt ein großes Fragezeichen über der ukrainischen Außenpolitik und ihrer Europäischen Option.”

euronews: “Wird das Urteil die Gaslieferbeziehungen zwischen Russland, der Ukraine und der EU beeinflussen?”

Wadim Karasow:
“Es wird jeden einzelnen Aspekt der Beziehungen dieses Trios beeinflussen. Wenn Timoschenko im Gefängnis bleibt wird die Ukraine bei jedem Gasstreit mit Russland alleine dastehen. Das ukrainische Pipelinenetz könnte zwischen Russland und der Ukraine aufgeteilt werden. Es geht aber um mehr als nur um Gas, es geht um eine Gleichberechtigung zwischen der Ukraine und Russland und über eine stärkere oder schwächere Einbeziehung der Ukraine in Putins eurasisches Projekt”.