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Wer war, wer ist Julja Timoschenko?

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Wer war, wer ist Julja Timoschenko?

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Das Gericht will sie für 7 Jahre ins Gefängnis schicken – aber Julia Timoschenko gibt sich noch lange nicht geschlagen. Noch während der Richter die Urteilsbegründung verlas, kündigte sie an, notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen.

Treue Anhänger hat die ukrainische Politikerin reichlich. Und medienwirksam zu agieren versteht sie auch, bis hin zur Frisur, die ukrainische Heimatverbundenheit suggeriert. Den blonden Zopf hat sie sich erst bei ihrem Einstieg in die Politik zugelegt. Vorher sah sie aus wie andere moderne junge Frauen auch. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin hatte es gemeinsam mit ihrem Mann verstanden, aus dem Zerfall der Sowjetunion im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen. “Gasprinzessin” nannte man sie im Land, dessen Energiekonzern sie von ´95 bis ´97 zusammen mit ihrem Ehemann leitete.

Dann kam die “orangene Revolution” und aus der erfolgreichen Unternehmerin wurde über Nacht eine erfolgreiche Politikerin.

Die alte Garde aus Sowjetzeiten hatte in Kiew nicht rechtzeitig bemerkt, was sich das alles im Lande zu ändern begann. Eine Wahlfälschung zu viel – und das Volk ging auf die Strasse.

Julia Timoschenko hingegen hatte die Zeichen der neuen Zeit sehr wohl erkannt. Bis in die nunmehr blonden Haarspitzen gestaltete sie ihre neue Rolle, jene der volksverbundenen, für das Volk arbeitenden Politikerin. So wurde sie Ministerpräsidentin. Überstand auch diverse innere Konflikte, als die orangenen Revolutionäre um ihren neuen Weg rangen. Sie wurde 2005 und dann 2007 ein zweites Mal zur Regierungschefin gewählt – und verhandelte in dieser Position mit dem damaligen russischen Präsidentin Putin über Lieferpreise und -konditionen für Erdgas, ohne das die ukrainische Wirtschaft nicht existieren kann.

Wegen dieser Verträge wurde sie jetzt in erster Instanz verurteilt. Wohlgemerkt – nicht, weil sie sich persöliche Vorteile verschafft hätte, sondern weil sie fachliche Fehler gemacht haben soll, die der Ukraine zum Schaden gerieten.