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Ein Jahr danach: Kein Wunder von Chile

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Ein Jahr danach: Kein Wunder von Chile

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Vor einem Jahr war die Welt am Fernseher live dabei: 33 Kumpel waren nach 69 Tagen mit einer Rettungskapsel einer nach dem anderen aus einem chilenischen Bergwerk wieder ans Tageslicht gebracht worden. Doch ein Jahr nach dem sogenannten “Wunder von Chile” sieht der Alltag der meisten Überlebenden eher dunkel aus. Trotz aller Versprechen der Politiker ist auch die Arbeit der Bergleute in den Minen des Landes nicht sicherer geworden. Einer der Geretteten war Dario Segovia. Er ist heute arbeitslos und hilft seinen Töchtern beim Verkauf von Gemüse. “Ich bin ein Bergmann, der Pech gehabt hat”, sagt er. “Es gibt kein Geld, zumindest habe ich kein Geld. Was ich habe, ist der Wille zu arbeiten und weiterzukommen. Das ist alles, was ich mit meiner Familie habe.” Auch Omar Reygadas war unter den geretteten Bergleuten. Auch er ist nach dem Unglück kein reicher Mann geworden. “Manchmal fühle ich mich missverstanden”, sagt er, “und irgendwie auch beleidigt von Leuten, die denken, dass wir jetzt in Geld schwimmen, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Die Leute denken, wir würden Geld damit verdienen, das stimmt aber nicht.” Von den 33 einstigen Helden sind heute 15 arbeitslos, vier arbeiten wieder im Bergbau, viele sind weiterhin in psychologischer Behandlung. Ein Filmproduzent in Hollywood bereitet die Verfilmung des “Wunders von Chile” vor. Ob von dem Film finanziell auch etwas für die Kumpel abfällt, ist jedoch fraglich.