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Strauss-Kahn: Kein Prozess - aber "sexueller Übergriff" bestätigt

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Strauss-Kahn: Kein Prozess - aber "sexueller Übergriff" bestätigt

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Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bleibt auch in Frankreich vorerst ein Prozess erspart – doch ausgestanden ist die Affäre nicht, und reingewaschen ist Strauss-Kahn ebenfalls nicht. Die französische Justiz stellte die Vorermittlungen gegen ihn wegen versuchter Vergewaltigung der Schriftstellerin Tristane Banon im Jahr 2003 aus Mangel an Beweisen ein. Hingegen wurde der Tatbestand des sexuellen Übergriffs anerkannt – doch ist dieser schon verjährt. Strauss-Kahns Anwalt Henri Leclerc triumphiert: “Es gab nichts, nichts, rein gar nichts, das die Vorfälle belegte, wie Frau Banon sie beschrieb. Es sind also fiktive Vorfälle.”

Banon sieht das anders. Sie hat bereits angekündigt, ein weiteres Verfahren anzustrengen, in dem ein Ermittlungsrichter die Vorfälle neu aufrollen müsste. Für die 32-Jährige kam die Nachricht just an dem Tag, an dem ihr Buch “Der Ball der Heuchler” erschien. In diesem beschreibt sie die Vorfälle von 2003, ohne Strauss-Kahn und andere namentlich zu nennen, und auch die Gründe, warum sie nicht damals vor Gericht zog, es aber in diesem Jahr tat.

Ihr Anwalt David Koubbi erklärte, Banon sei weiter kampfbereit. Er insistiert: “Die Staatsanwaltschaft erkennt klar an, dass Dominique Strauss-Kahn einen sexuellen Übergriff beging. Wenn Tristane Banon die Klage 2005 oder 2006 eingereicht hätte, wäre Strauss-Kahn juristisch verfolgt und verurteilt worden.”

Banon hatte sich erst nach der Klage eines Zimmermädchens in den USA wegen eines ähnlichen Vorfalls zur Anzeige durchgerungen. Sie hatte später erklärt, dass ihre Mutter und andere Parteifreunde Strauss-Kahns sie 2003 von einer Anzeige abgehalten hätten. Das strafrechtliche Verfahren in den USA wurde wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens eingestellt, eine Zivilklage läuft aber noch.