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Erneut Islamisten-Proteste in Tunesien wegen Zeichentrickfilms

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Erneut Islamisten-Proteste in Tunesien wegen Zeichentrickfilms

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In Tunesiens Hauptstadt Tunis sind mehrere tausend Islamisten gegen die Ausstrahlung des iran-kritischen Films “Persepolis” auf die Straße gezogen. Der Film war auch bei den Freitagsgebeten in den Moscheen Thema.

Als die Demonstranten sich dem Sitz des Interimsregierungschefs näherten, vertrieb die Polizei sie mit Tränengas. Die Demonstranten antworteten mit Steinwürfen.

“Sie haben angefangen. Wir haben ihnen gesagt, dass es ein friedlicher Marsch ist, und sie lügen, wir haben nicht mit der Gewalt angefangen, selbst als sie Tränengas einsetzen, wollten wir nicht zurückschlagen”, schimpft einer der Demonstranten, unter denen auch zahlreiche Salafisten waren.

Dass der Privatsender Nessma den in Cannes preisgekrönten Film ausstrahlte, hatte schon zuvor Protest erregt. Denn in “Persepolis” wird Gott als bärtiger, alter Mann gezeigt – ein Tabu, Gotteslästerung insbesondere für die Salafisten, eine besonders radikale islamistische Gruppierung.

“Der Fall Nessma ist schon in den Händen der Justiz”, hält ein Polizist dem Protest entgegen, “und wenn die Tunesier an die Fairness der Justiz glauben, warum mischen sie sich dann in ihre Arbeit ein?”

Auch das Haus des Senderchefs wurde mit Molotow-Cocktails angegriffen. Die Familie konnte sich in Sicherheit bringen. Der Mann selbst hatte sich schon zuvor wegen der Ausstrahlung des Films bei Tunesiens Muslimen entschuldigt und einen Fehler eingeräumt.

Die Proteste radikaler Islamisten schüren die Sorge vor wachsenden Spannungen im Vorfeld der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung in zehn Tagen – der ersten freien Wahl Tunesiens seit Jahrzehnten.