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Ein israelischer Soldat gegen mehr als 1000 Palästinenser

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Ein israelischer Soldat gegen mehr als 1000 Palästinenser

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Am 25. Juni 2006 wurde der damals 19jährige Gilad Schalit entführt. Seither kämpfte nicht nur seine Familie für seine Freilassung. In den Medien, auf der Straße wurde der Druck auf die israelische Regierung immer stärker. “Dieser Junge wurde unser aller Sohn”, fasst der Politologe Schlomo Aronson die Solidaritätswelle zusammen.

“Mütter und Kinder schrieben ihm. Sein Foto war allgegenwärtig. Diese Art von psychologischem Druck spielte eine große Rolle.”

Eine Rolle spielten auch veränderte Machtverhältnisse. In Israel selbst, wo die beiden Chefs des Inlands- und des Auslandsgeheimdienstes wechselten, die gegen so einen Austausch waren. Und es wechselte auch die politische Großwetterlage: Stichwort “arabischer Frühling”.

Dass auch der zunächst eher auf Härte und Unnachgiebigkeit eingestellte Ministerpräsident Netanjahu seine Meinung änderte, dürfte mit den wachsenden sozialen Spannungen in Israel zu tun haben. Der Politikwissenschaftler Jonathan Speyer sieht für den israelischen Regierungschef jetzt eine Welle der Popularität anrollen. Aber er muss sorgsam auf die Veränderungen um Israel herum achten.

Noch gilt Ägypten als Partner – aber wie lange noch? Die Entwicklung im großen Nachbarland kann niemand sicher voraussagen.

Und was ist mit Syrien, wo es auch brennt?

Was, wenn die Hamas ihren Faustpfand Gilad Schalit ihrem wichtigsten Verbündeten Iran überlassen hätte?

Weltpolitik geht zuweilen seltsame Wege.

Der Politikwissenschaftler verweist auf eine spezielle Folge des “arabischen Frühlings”, der die Hamas in den Hintergrund zu drängen begann. Da brauchte die Hamas dringend einen vorzeigbaren Erfolg, um zeigen zu können, sie könne mehr erreichen als die offizielle Palästinenserführung. Schließlich hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen weltweit beachteten Auftritt vor den Vereinten Nationen. Dem musste die Hamas etwas entgegensetzen. Es stehen Wahlen an in den Palästinensergebieten, wenn auch noch kein Datum bekannt ist.

Ebenso unbekannt ist noch, ob die beiden Symbolfiguren des palästinensischen Widerstandes unter den mehr als tausend gegen Gilad Schalit ausgetauschten Gefangenen sein werden.

In Gaza freuen sie sich auf die Heimkehr ihrer Söhne aus israelischen Gefängnissen. Aber was wird, wenn sich jetzt im Gazastreifen die Hardliner der Hamas durchsetzten und den nächsten israelischen Soldaten entführen?