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Gefangenenaustausch: 1 Israeli gegen 1.027 Palästinenser

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Gefangenenaustausch: 1 Israeli gegen 1.027 Palästinenser

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Fünf Jahre mussten die Israelis auf die Heimkehr des von der Hamas entführten Soldaten Gilad Shalid warten.

Heute traf er nun auf israelischem Boden ein, auf der Militärbasis Tel Nof, von wo aus er erst einmal mit seiner Familie telefonieren konnte.

Für seine Freilassung bekommt die Hamas im Gegenzug 1.027 in israelischen Gefängnissen einsitzende Palästinenser, die zum Teil wegen Mordes zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden.

euronews:
Der Gefangenenaustausch ist in Israel eine mit Emotionen aber auch mit Widerspruch begleitete Angelegenheit.
Darüber unterhalten wir uns jetzt mit dem Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmor.
Danke, dass Sie Zeit für uns finden.
Die Hamas verbucht den Austausch als ihren großen Sieg. Hat sie Grund dazu?

Yigal Palmor:
Ich glaube nicht, dass sie einen Grund dafür haben.
Schon weil sie seit Jahren versprechen, die Mehrzahl ihrer großen Terror-Figuren aus den israelischen Gefängnissen herauszuholen. Sie haben geschworen, alle ihre Führer aus Israels Gefängnissen heraus zu holen. Aber bis heute entsprechen weder Zahl noch Identität der frei Gelassenen diesem Versprechen. Darum denke ich, die Palästinenser vergleichen wohl die Versprechen der Hamas mit der Realität und verstehen, dass die Versprechen keineswegs voll eingehalten wurden.

euronews:
Warum kam dieser Deal gerade jetzt zustande? Warum musste die Familie Shalid so lange warten?
Ist das akzeptabel, fünf Jahre lang?

Yigal Palmor:
Weil die Hamas nicht kompromißbereit war und in ihren Forderungen keinerlei Realismus erkennen ließ. Wir waren schon einmal nahe dran – sie machten einen Rückzieher.
Jetzt zeigen sie möglicherweise mehr Realismus, mehr Flexibilität, weil die Lage in Syrien sie fürchten lässt, dass sie dieses Land sehr schnell verlieren könnten.

euronews:
Der Deal bereitet Israel heute große Freude.
Aber was sagen die Opfer der Hamas dazu, dass nun um die tausend Kämpfer, ehemalige Kämpfer, für Kampfeinsätze verurteilte Täter frei kommen?

Yigal Palmor:
Ja, diese Menschen sind bestürzt, weil Mörder freikommen, die keine Reue geziegt haben, die weiterhin auf ihre Taten stolz sind.
Die freizulassen, war eine sehr schwere Entscheidung. Aber am Ende hat die Regierung dem einen Leben Priorität eingeräumt, hat beschlossen, das Leben dieses einen als Geisel genommenen Soldaten zu retten. Sein Leben über jenes der Toten zu stellen, so tragisch das auch sein mag.

euronews:
Einige Beobachter meinen, Sie haben damit die Chance auf Friedensgespräche verspielt, weil Sie die großen Rivalen der Fatah gestärkt haben.

Yigal Palmor:
Die Hamas hat einstmals versprochen, die nationale Einheit der Palästinenser zu schaffen zusammen mit den Leuten von Abbas. Das war aber nur ein leeres Versprechen. Ich denke, diese Politik wird die Hamas in eine Sackgasse führen.
Wir werden weiterhin mit zwei verschiedenen Palästinenser-Behörden zu verhandels haben.