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Die verschiedenen Opfer des ETA-Terrors

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Die verschiedenen Opfer des ETA-Terrors

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Wir sind im nordspanischen San Sebastian, zu Besuch bei Cati Romero. Sie lebt seit fast 20 Jahren hier im Baskenland. Am 15. September 1994 änderte sich ihr Leben schlagartig: ihr Ehemann Alfonso Morcillo, ein Polizist, wurde vor seinem Haus von zwei ETA-Terroristen erschossen. Seither engagiert sich Cati Romero stark bei Covite, einem Verband von ETA-Opfern. Die Nachricht vom Gewaltverzicht der ETA löste bei ihr gemischte Gefühle aus:

“Zunächst einmal spüre ich eine große Traurigkeit. Ich fühle mich auch nicht wirklich erleichtert, wie die meisten Politiker oder die Bevölkerung, die sich so enorm freuen. Eine französische Journalistin hat mich angerufen und mich darüber informiert und natürlich kam die Erinnerung an Alfonso wieder hoch. Er war mein Mann, mein Freund, ein ganz besonderer Mensch, ich denke an ihn, der jetzt seit 16 Jahren unter der Erde liegt. Ich habe mich gefragt, warum das nicht vor 20 Jahren passierte, dann hätten wir uns nie kennengelernt.

Mit wem ich mich nun versöhnen soll, weiß ich nicht. Ich hatte ja nie Probleme mit irgendjemandem hier. Jetzt spricht man aber überall von Konflikt, Konfrontation, Versöhnung. Aber mit wem denn? Hat mich jemand um Verzeihung gebeten?

Sie wollen unsere Geschichte umschreiben. Sie stellen es so hin als habe es hier Streit gegeben zwischen zwei Gruppen. Aber ich persönlich habe nie irgendeinen Streit mit irgendjemandem hier gehabt. Und Alfonso auch nicht. Wenn sie das so sehen, dann, weil sie das, was geschah, umschreiben wollen und ich hoffe, die Menschen fallen nicht darauf herein.”

Aus einer anderen Perspektive berichtet Txelui Moreno. Er war Mitglied der inzwischen verbotenen linksnationalistischen baskischen Partei Batasuna und fungiert heute als Sprecher der baskischen Linken. Sein Sohn Iker wurde bei einer Razzia gegen die ETA verhaftet. Der 23jährige wird beschuldigt, einer Jugendorganisation der Separatisten anzugehören. Sein Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei:

“Was ungerecht und eine Art der Rache durch den spanischen Staat ist, das ist der Umstand, dass die Gefangenen so weit wie nur möglich von ihrem Heimatort fortgebracht werden und ihre Familien müssen dann sehr viel mehr Geld ausgeben, um sie zu sehen.

Mein Sohn ist ein Opfer, sie haben ihn fünf Tage lang gefoltert und es schmerzt mich sehr zu wissen, dass die Folterer leben und sicherlich irgendwelche Abzeichen für ihre in Anführungszeichen großartige Arbeit bekommen, also dafür, dass sie acht Menschen unter Kapuzen fünf Tage lang festgehalten haben und einem 23jährigen Jungen alle möglichen Arten von Verletzungen zugefügt haben. Das schmerzt sehr.”