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Ennahdha: Demokratisch oder doch radikal?

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Ennahdha: Demokratisch oder doch radikal?

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Zwei junge Frauen in Tunis: Sie sind Anhänger der Ennahdha-Bewegung, die unter Präsident Habib Bourguiba und auch unter seinem Nachfolger Ben Ali war Ennahdha verboten war. Seit dem arabischen Frühling und Ben Alis Flucht jedoch ist die Bewegung erstarkt und hat viele Anhänger gewonnen. Und diese weisen Vermutungen zurück, dass es innerhalb der Ennahdha-Bewegung radikale und vielleicht sogar gefährliche Strömungen gibt. “Viele bezeichnen Ennahdha als extrem”, meint eine der beiden Frauen. “Wenn das so wäre, hätte die Bewegung heftiger reagiert, als ihre Mitglieder verfolgt und gefoltert wurden. Unter Ben Ali haben wir versucht, uns modernistischen Thesen zuzuwenden, die aber nichts Konkretes gebracht haben.”

Mehr als 30 Jahre lang mussten die Mitglieder von Ennahdha im Untergrund operieren. Vor wenigen Tagen erst hat sich Ennahdha von Gewaltakten radikaler Muslime distanziert. In einer Erklärung der Bewegung hieß es, Gewaltexzesse müssten streng verurteilt werden, und: man wolle die eigenen Ideen im Rahmen eines friedlichen und respektvollen Dialogs verteidigen. Slaheddine Jourchi ist Experte was islamistische Strömungen betrifft. “Die Ennahdha-Bewegung steht vor einem wichtigen Test”, meint er, “denn die Tunesier erwarten von ihr tiefgreifende Veränderungen. Außerdem wird von ihr erwartet, auf der Höhe der Zeit zu sein. Die wahre Prüfung jedoch ist die Machtausübung. Ennahdha ist dabei, den Status als Oppositionspartei gegen die Macht einzutauschen. Vielleicht regiert sie ja in Zukunft das Land.”

Die Tunesier erkennen sich in ihrem islamischen Erbe wieder. Abseits der islamistischen Bewegungen, so die Meinung von Experten, haben sie ein Interesse an demokratischen Werten, um Religion und Politik miteinander zu vereinen.