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Tunesier wählen verfassunggebende Versammlung

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Tunesier wählen verfassunggebende Versammlung

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Ein historischer Urnengang in Tunesien:

Bereits am Morgen hat Interimsregierungschef Béji Caïd Essebsi seine Stimme bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung abgegeben. Vor wenigen Tagen hatte Essebsi die Tunesier aufgerufen, “ohne Furcht” zur Wahl zu gehen und ihre Chance zur Stimmabgabe zu nutzen.

Laut Umfragen könnte die islamistische Ennahdha-Bewegung mit ihrem Anführer Rachid Ghannouchi stärkste Einzelpartei werden. 20 bis 30 Prozent der Stimmen könnte Ennahdha demnach erringen. Ob die Bewegung allerdings die politische Führung in der verfassunggebenden Versammlung übernehmen kann, ist fraglich, denn es gibt nur wenige mögliche Koalitionspartner. An zweiter Stelle könnte die liberale Demokratische Fortschrittspartei von Ahmed Nejib Chebbi landen. Chebbi hatte im Vorfeld der Wahlen eine Zusammenarbeit mit Ennahdha ausgeschlossen.

Vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen – denn die Tunesier sind sich der Bedeutung der Wahl bewusst. “Nach 50 oder 60 Jahren”, so ein junger Mann, “ist jetzt der Moment gekommen, um diesem Land zu helfen, das so viel gelitten hat.” Insgesamt sieben Millionen Menschen waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die verfassunggebende Versammlung soll eine neue Übergangsregierung bestimmen und ein Grundgesetz für Tunesien erarbeiten.