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Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel. Neue Differenzen zwischen den "großen Vier"

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Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel. Neue Differenzen zwischen den "großen Vier"

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Die Märkte, immerhin, haben es ihnen bisher abgenommen: Trotz entscheidungsloser Gipfeltreffen der 27 EU- und der 17 Euroländer bewahrten sie am Montag die Ruhe, denn die Staats- und Regierungschefs haben ja die dringend benötigten Entscheidungen zu Griechenland, den Banken und dem Rettungsfonds für Mittwoch versprochen.

Aber trotz aller Einigkeitsgesten wurden weitere Kampfschauplätze sichtbar. Die Frage eines Journalisten nach dem Sparanstrengungen Italiens stieß auf der Gipfelpressekonferenz des deutsch-französischen Duos zunächst auf ein gegenseitiges Angrinsen.

Dann wurde Italien von der deutschen Kanzlerin recht deutlich zum Sparkurs verdonnert, was Silvio Berlusconi kaum amüsiert haben wird. Hinter Angela Merkels Vorpreschen steht eine fast schon panikartige Angst der Märkte vor einer Ansteckung Italiens mit der griechischen Schuldenseuche.

Kurz zuvor war es hinter verschlossenen Türen zum Eklat zwischen Nicolas Sarkozy und dem britischen Premier David Cameron gekommen. Der Franzose verbat sich die Einmischung des Euro-Außenseiters in Fragen der Wähungsunion, die dieser doch ohnehin ablehne.

Bis Mittwoch soll nun alles ins Lot. Wird das gehen, bei der Gemengelage? Oder müssen mindestens mittelfristig die Spielregeln geändert werden?

Das Thema engere Wirtschaftsgemeinschaft zur Rettung des Euro wurde ja prompt am Wochenende angesprochen. Daniel Gros vom unabhängigen Brüsseler Think Tank CEPS wittert allerdings Etikettenschwindel.

“Viele rufen jetzt nach mehr Integration, meinen aber mehr Kontrolle. Integration verlief früher symmetrisch, das heißt: alle geben etwas von ihrer Souveränität ab, erhalten dafür im Gegenzug aber auch ein Mitspracherecht bei gemeinsamen Entscheidungen. Gegenwärtig läuft es dagegen so, dass die Gläubigerländer, also Deutschland, Finnland, die Niederlande, den anderen die Bedingungen diktieren. Das ist keine Integration.”

Welche Tendenz wird sich also durchsetzen? Wird die Krise einen oder entzweien?

Euronews-Korrespondent Andrei Beketov:

“Zu Beginn der Gipfeltreffen schien es nur um eine Rettung der relativ kleinen Wirtschaft Griechenlands zu gehen. Unterdessen ist aber klar geworden, dass auch die Brüche zwischen den größten Mitgliedsländern behandelt werden müssen.”