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Beginnt in Tunesien jetzt eine Wiedergeburt?

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Beginnt in Tunesien jetzt eine Wiedergeburt?

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In Tunesien stehen die Zeichen auf Wiedergeburt.

Noch vor der offiziellen Verkündung der Endergebnisse hat sich der Führer der islamischen

Partei “Ennahda”, Rachid Ghannouchi, zum Wahlsieger erklärt. Und Ennahda, der Name seiner Partei, bedeutet “Wiedergeburt”. 30 % aller Stimmen hat die Partei nach eigener Zählung bekommen.

Und das nicht einmal neun Monate nach Ghannouchis Heimkehrs aus dem Exil.

So euphorisch war er am 30. Januar am Flughafen von Tunis empfangen worden.

Ghannouchi vertrat zunächst eine ähnlich antikolonialistisch- nationalistische Linie wie der Ägypter Gamal Abdel Nasser. Dann wandte er sich aber mehr den von Nasser verfolgten Moslembrüdern zu – und musste ins Exil ausweichen.

Bei seiner Ankunft am 30. Januar 2011 rief er noch am Flughafen den Tunesier zu: “Ihr seid ein wahrlich großes lobenswertes Volk, das diese Revolution vollbracht hat. Führt die Revolution weiter und bewahrt sie. Und sorgt dafür, dass aus ihr Gleichheit, Demokratie und Gerechtigkeit erwachsen.”

In seinem Wahlkampf zog Ghannouchi immer wieder Vergleiche mit der Türkei. Er bezeichnete seine Ennahda als eine ebenso moderne Partei wie die in der Türkei regierende AKP. Er wolle das Bekenntnis zum Islam mit dem Streben nach Modernität zum Wohle des Volkes verbinden.

Hier ein Ausschnitt aus einer seiner Wahlkampfreden:

“ Die Ideologie von Ennahda hat Raum genug, die Lebensentwürfe unterschiedlicher Frauen zu umfassen, solcher, die ihr Haar verhüllen, und anderer, die das nicht tun. Ennahda steht für religiöse und für nicht-religiöse Menschen. Wir sind in der Lage, mit linken wie rechten Parteien zu verhandeln. Vielleicht macht gerade das unsere Bewegung so populär.”

Populär bei allen Tunesiern ist Ennahda aber nicht.

Es gibt Gerüchte, wonach Gannouchi für seinen Wahlkampf Geld von wenig toleranten islamischen Ländern bekommen haben soll.

Die Frage nach dem Geld stellt auch ein junger Demonstrant auf der Straße. Er sagt: “Warum ist es einer Partei wie Ennahda erlaubt, sich vom Ausland finanzieren zu lassen, wo doch allgemein bekannt ist, dass nach internationalem Recht ohne legale Erlaubnis keine Partei oder Vereinigung von ausländischen Privatleuten oder Firmen oder oder Parteien finanziert werden darf.”

Ganz so ideal, wie sich der junge Mann das internationale Recht vorstellt, sieht es leider nicht aus. Was er anprangert, gilt als unmoralisch. Es gibt aber kein international geltenden Gesetz dagegen.