Eilmeldung

Eilmeldung

Der Gipfel-Deal: Auswirkungen für die Wirtschaft?

Sie lesen gerade:

Der Gipfel-Deal: Auswirkungen für die Wirtschaft?

Schriftgrösse Aa Aa

Auch wenn die Ergebnisse des Euro-Krisengipfels vorerst die Märkte beruhigten, sind die Langzeitfolgen nicht abzusehen.

Die Banken müssen bluten: Die Euro-Staaten verordneten den Banken massive Griechenland-Abschreibungen und strengere Kapitalvorschriften. Ziel ist es mit allen Mitteln eine neue Bankenkrise wie es 2008/2009 der Fall war, zu verhindern.

Dies könnte sich allerdings negativ auf die Realwirtschaft auswirken. Abschreibungen und ein höherer Kapitalsockel bedeuten, dass die Banken weniger Kredite an Unternehmen und Investoren vergeben. Das widerum kühlt das Konjunkturklima ab, bei den Verbrauchern sinkt das Vertrauen und sie geben weniger aus.

Experten fürchten eine länderübergreifende Flaute, wenn nicht sogar Rezession. Notwendig sei deshalb eine wachstumsfreundliche Politik. Die Frage bleibt, ob dem Gipfel auch dies gelungen ist.

euronews sprach mit Trevor Williams, Chef-Ökonom bei Lloyds TSB Corporate Markets in London.

euronews: Trevor, dies war der 14. Gipfel in den fast zwei Jahren, seitdem Europa Griechenland Solidarität versprochen hat. Wird das Ergebnis den Markterwartungen gerecht?

Trevor Williams: Bei der Reaktion der Märkte – Akien im Auftwärtstrend und der Euro im Anstieg – könnte man argumentieren, dass sich die Erwartungen der Märkte erfüllt haben. Es bleibt aber eine Herausforderung: Die Frage ist, ob die Teile der verieinbaung, die für November, Dezember und später übrig gelassen wurden, ebenfalls die Erwartungen erfüllen können.

euronews: Die Banken wurden dazu gebracht, den Schuldenschnitt von 50 Prozent zu akzeptieren, indem das Szenario der totalen Insolvenz Griechenlands entworfen wurde. Das nennt sich “freiwillige Abschreibung”. Die Banken wurden auch verpflichtet, ihren Kapitalsockel zu stärken und höhere Reserven anzulegen. Gibt es auch gute Nachrichten für die Banken?

Williams: Es ist schwierig, welche zu finden. Aber wenn es eine gibt, war diese in der Erklärung zu finden, nämlich die Aussage, dass alles vorübergehend ist. Die zusätzlichen Kapitalreserven werden als Ausnahme betrachtet. Sobald die Umstände, die zu diesen Reserven geführt haben, beseitigt sind, könnten die Kapitalreserven verringert werden. Das ist die Schlussfolgerung der Erklärung. Somit war doch etwas für die Banken drin. Aber insgesamt betrachtet, war es sehr schwierig, positive Nachrichten aus Sicht der Banken zu finden.

euronews: Nur durch Wachstum kann sich Europas Wirtschaft erholen und die Schuldenkrise gelöst werden. Hat die Europäische Union trotz der strengen Restriktionen für die Banken die Bedingungen dafür geschaffen?

Williams: Ich denke, die kurze Antwort lautet: nein. Das Thema des Gipfels war, wie man eine mögliche Ausbreitung eines griechischen Ausfalls verhindern kann. Hauptsächlich ging es darum, sicherzustellen, dass die Banken ausreichend Kapital zur Verfügung haben. Das hat die wirtschaftliche Situation nicht verändert. Der Gipfel hat sich nicht mit den fundamentalen Themen der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Länder befasst. Und er hat zweifellos nichts an den wirtschaftlichen Trends im europäischen Wachstum bewirkt. Der Trend geht Richtung Flaute Ende des Jahres und möglicherweise zu Beginn des kommenden Jahres.

euronews: Der Ölgigant Shell hat angekündigt, aufgrund von Zweifeln an einer Erholung Europas, seine Investitionen in der EU zu drosseln. Ist das eine einzelne Meinung oder kann das zur allgemeinen Konzernpolitik werden?

Williams: Natürlich schauen einige Unternehmen mehr auf das europäische Wachstumsprofil als auf andere Teile der Welt, inklusive der USA, den Schwellenländern und darüber hinaus. An der Oberfläche herrscht Pessimismus über die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Ganzes und darüber, ob die Themen des schwachen Wachstums wirklich angepackt wurden. Diese Themen sind allen klar: Es geht um Regulierung, es geht um den Zustand des Bankensektors und darum, ob die EU ernsthaft die Steuerlast der Unternehmen reduziert. Die Gipfel-Erklärung enthielt nichts davon.