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Tunesien: Gewaltsame Proteste nach Wahlen

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Tunesien: Gewaltsame Proteste nach Wahlen

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In der tunesischen Stadt Sidi Bouzid, die als Ausgangsort des Arabischen Frühlings gilt, sind nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse heftige Proteste ausgebrochen. Hintergrund ist, dass die Wahlkommission sechs Kandidatenlisten des im Ort beliebten TV-Unternehmers Hechmi Haamdi wegen angeblich unsauberer Finanzierung gestrichen hatte. Die gewaltsamen Proteste richteten sich auch gegen Büros der Ennahdha-Partei, die die Wahlen gewonnen hatte und deren Generalsekretär Hammadi Jebali als künftiger Regierungschef im Gespräch ist. Der warf dem Fernseh-Besitzer nun vor, die Unruhen mit einer Kampagne angezettelt zu haben. Jebali sagte:

“Es ist wirklich gefährlich, dass jetzt das Gerücht kursiert, ich hätte die Einwohner von Sidi Bouzid beleidigt und als Abschaum bezeichnet. Um es freundlich zu sagen: Das sind gefährliche Verleumdungen.”

In der Nacht hatte die Wahlkommission die Ergebnisse bekanntgegeben. Die islamistische Ennahdha von Rachid Ghannouchi erhält demnach 90 der 217 Sitze in der verfassungsgebenden Versammlung, die unter anderem eine Übergangsregierung bilden soll. Jebali widersprach Berichten, wonach die Partei Kopftuchzwang und Alkoholverbote plane.

Platz zwei geht an die Mitte-links-Partei “Kongress der Republik”, die sozialdemokratische Ettakatol landeten auf Platz drei. Laut Medienberichten führen die Sozialdemokraten bereits Gespräche mit der Ennahdha über die Bildung einer Interimsregierung. Ettakatol-Chef Mustapha Ben Jaafar gilt als möglicher Übergangspräsident.