Eilmeldung

Eilmeldung

"Wenn das in Libyen nicht passiert wäre, säße ich jetzt im Hörsaal"

Sie lesen gerade:

"Wenn das in Libyen nicht passiert wäre, säße ich jetzt im Hörsaal"

Schriftgrösse Aa Aa

Sie haben den Machtwechsel in Libyen überlebt – viel mehr aber auch nicht. Knapp 4000 Flüchtlinge sitzen an der tunesischen Grenze fest, im Lager Shusha – die meisten aus dem südlichen Afrika. Viele berichten von Übergriffen auf Schwarzafrikaner. Vor allem Rebellen hätten sie attackiert, weil sie sie als Söldner verdächtigten, angeheuert von Muammar Gaddafi in Mali oder der Sahel-Zone. Jetzt fürchten sie den gleichen Rassismus in ganz Nordafrika und wissen nicht, wohin.
 
 
Nazir Fernandes von der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR:
 
“Wir zählen da auf Europa, das unser traditioneller Partner bei der Suche nach Lösungen für Flüchtlinge ist. Umsiedlung eine brauchbare Lösung für Flüchtlinge, also bitte, helfen Sie uns, zeigen Sie Solidarität mit Tunesien. Das Land hat mitten in einer sehr heiklen Phase seine Türen geöffnet.“ 
 
 
Bisher hätten EU-Staaten erst ein paar hundert akzeptiert, klagt das UNHCR.
 
Noch ist bei vielen der schätzungsweise insgesamt mehr als 5.000 schwarzafrikanischen Flüchtlinge das Schicksal “lebenslang Flüchtling” abzuwenden – Rania aus dem Sudan zum Beispiel kam vor zwei Wochen im Lager Shusha an. Zuvor lebte ihre Familie neun Jahre lang in Libyen.
 
 
Rania Adriss:
 
“Meine Mutter arbeitete dort für unsere Ausbildung. Das ist sehr wichtig für meine Familie. Mein Bruder, meine Schwestern und ich – alle studieren. Wenn all das nicht passiert wäre, säße ich jetzt im Hörsaal.”
 
 
Valérie Gauriat, euronews:
 
“Nach dem Sturz Gaddafis konnten vielen Libyen-Flüchtlinge in Tunesien wieder nach Hause. Viele Schwarzafrikaner fühlen sich doppelt bestraft: Sie mussten nicht nur ihre Heimat verlassen, sondern auch ihren Wohnort in Libyen, wo ihr Leben auch kein Zuckerschlecken war, ob nun mit Gaddafi oder ohne.”