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Euro-Arab Filmfest baut Brücken in Santiago de Compostela

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Euro-Arab Filmfest baut Brücken in Santiago de Compostela

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Die spanische Stadt Santiago de Compostela ist das Ziel der Pilger, die den Jakobsweg entlang wandern.

Aber es ist auch Austragungsort des jährlich stattfinden Amal Euro-Arab Filmfestivals.

26 Dokumentar- und Spielfilme wurden in der 9. Ausgabe gezeigt, die gerade zu Ende gegangen ist. Mehr als 3500 Zuschauer sahen sich die Filme an.

Eine positive Bilanz für das Filmfest, das zwischen westlichen und arabischen Gesellschaften Brücken bauen will.

Deshalb gibt es neben den Filmvorführungen auch zahlreiche Workshops – vom Bauchtanz über Arabisches Kochen bis zur Kalligraphie.

Festival-Direktor Ghaleb Jaber Martínez:

“Mit der arabischen Welt werden immer noch viele Klischees verbunden. Viele machen keinen Unterschied zwischen Arabisch und Muslimisch, sie denken, es sei alles das Gleiche. Das verhindert, dass die Menschen die Unterschiede in der arabischen Kultur und ihren Einfluss auf unsere eigene Kultur verstehen.”

Der so genannte Arabische Frühling hat dazu beigetragen, einige falsche Eindrücke von der arabischen Welt zu entkräften.

Und er findet auch seinen Niederschlag im Wettbewerb. Es gibt einen Dokumentarfilm über die tunesische Revolution und einen weiteren über die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Für Jury-Mitglied Haizam Amirah-Fernández ein Zeichen für das wachsende Interesse an der arabischen Welt:

“Dieses Jahr bestimmt die arabische Welt die Titel aller internationaler Medien, wegen der sozialen und politischen Veränderungen. Ich denke, dass die ausgewählten Filme einige der wichtigsten Gründe behandeln, die zum Aufruhr in der arabischen Welt geführt haben.”

Die Jury vergab den Preis für den Besten Spielfilm zu gleichen Teilen an “Cairo exit” des ägyptischen Filmemachers Hesham Issawi und “Son of Babylon” des irakisch-dänischen Regisseurs Mohamed Al Daradji. Dieser gewann auch den Regiepreis.

Der Jungschauspieler Yasser bekam für seine Rolle in “Son of Babylon” den Darsteller-Preis.

Im Film folgt der junge Ahmed seiner Großmutter. Sie hatte nach dem Sturz Saddam Husseins davon gehört, dass im Süden des Landes Kriegsgefangene lebend gefunden wurden. Sie will herausfinden, ob einer davon ihr Sohn und Ahmeds Vater ist.

Cairo Exit ist eine Liebesgeschichte und ein Porträt der jungen Generation der Stadt, die für eine bessere Zukunft kämpft. Der Film ist in Ägypten verboten worden. Der Regisseur hatte sich offenbar geweigert, Änderungen daran vorzunehmen. Deshalb hofft er nun auf Meinungsfreiheit unter der neuen Führung:

“Was das Kino und Künstler allgemein betrifft, gibt es jetzt mehr Freiheit. Man fürchtet sich nicht mehr, einen Film zu schreiben oder zu produzieren. Aber nicht nur die Künstler, sondern alle profitieren davon, dass die Revolution die Mauer aus Angst niedergerissen hat. Aber wie das nächste Regime mit der neuen Situation umgeht, wird sich noch zeigen.”

Die Situation der Frauen in arabischen Gesellschaften ist auch Thema in einigen der Filme.

“Arab Attraction” handelt von einer Frau, die für ihre feministischen Ansichten bekannt war. Als sie sich in einen zwanzig Jahre jüngeren jemenitischen Mann verliebt, konvertiert sie zum Islam, heiratet ihn und wird seine zweite Frau.

Der österreichische Regisseur Andreas Horvath sagt, was ihn an diesem Projekt fasziniert hat:

“Am Anfang gab es etwas, was ich nicht verstand. Diese Frau war immer Feministin und Atheistin. Dann verliebt sie sich in diesen Jemeniten, konvertiert und muss ihre feministischen Prinzipien aufgeben. Das ist für mich immer ein guter Start für einen Dokumentarfilm. Etwas verstehen zu wollen, was ich nicht verstehe – indem ich einen Film darüber mache.”

Anderer Gewinner waren “This is my Land, Hebron”, “Courte vie” und “Al Madina”. Das Amal International Euro-Arab Film Festival gibt es bereits seit 2003.