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OCCUPY - mit Gott gegen Finanzspekulanten?


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OCCUPY - mit Gott gegen Finanzspekulanten?

“Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!” So steht es in der Bibel. Matthäus 6/24. So lautet auch die wichtigste Losung von OCCUPY – man kann es auch als Rechtfertigung dafür verstehen, dass diese scharfen Kritiker der Finanzmärkte ausgerechnet vor der berühmten “St Paul´s Cathedral” im Herzen von London Aufmerksamkeit erregen.

Das gern auch von Touristen besuchte Gotteshaus, in dem auch das Grab von Admiral Nelson liegt, musste eine Woche lang geschlossen werden. Es war die erste Schließung seit der deutschen Bombenangriffe im II.Weltkrieg.

Nun also wieder Gottesdienst in der Kathedrale, die Sitz der Diözese London der Anglikanischen Kirche ist. Nach eigenen Angaben gingen der Kirche an jedem Tag Schließung umgerechnet mehr als 20.000 Euro Einnahmen von Touristen verloren.

St Paul´s liegt mitten in der City.

Ob manch Banker von nebenan hier Gott um hohe Gewinne anzuflehen pflegt, ist nicht überliefert.

Fakt ist, für den Erhalt des historischen Bauwerke haben bekannte Banken schon hohe Summen gespendet. Sheila McKenna, die eben aus dem ersten Gottesdienst nach der zwangspause kommt, würde gern die Ungleichheit zwischen arm und reich verringert sehen.

Und Sybil Wesley, auch aus der Kirchgemeinde von St Paul´s , findet es einfach lächerlich, dass die Gehälter der Direktoren an der Spitze um 50% in die Höhe gehen – bei dem Zustand, in dem das Land gerade ist.

Nun hat die Verwaltung der City of London angkündigt, man werde juristisch gegen das Zeltlager vor dem Touristenmagneten vorgehen.

Kirchenvertreter suchten das Gespräch.

Der offizieller Sprecher der Kirche, Reverend Michael Hampel, sagte im Interview: “Obwohl wir darum gebeten haben, dass das Zeltlager verschwindet, wollen wir nicht, dass damit auch die zentrale Botschaft der Protestierer verschwindet. Wir möchten mit ihnen zusammenarbeiten, um einen Weg zu finden, wie ihre Botschaft hier an der St Paul´Cathedral präsent bleiben kann. Auch wenn es Wochen und Monate dauern sollte, wir sind für eine friedliche Lösung.”

Diese Art des Protestes hatte vor rund zwei Wochen begonnen – in Anlehnung an die Proteste im New Yorker Finanzzentrum Wall Street.

Wie es diesmal auch ausgehen mag: die Protestierer haben es zumindest geschafft, weitere Gruppen der Gesellschaft auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

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