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Der aufhaltsame Aufstieg des Silvio Berlusconi

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Der aufhaltsame Aufstieg des Silvio Berlusconi

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Eine blutige Nase hat er sich schon mal geholt. Und zwar ausgerechnet in Mailand, seiner Hochburg.

Sonst ist der 75jährige eher dafür bekannt, dass er austeilt, und zwar heftig. 1994 stieg der reich gewordene Medien-Aufsteiger Silvio Berlusconi auch in die Politik ein. Innerhalb von vier Monaten hatte er eine Partei nach seinem Zuschnitt auf die Beine gestellt – und die Wahlen gewonnen.

Der erste Versuch lief nicht ganz so glatt.

Als das von ihm versprochene Wirtschaftswunder auf sich warten ließ, wollten die Italiener nicht. So war nach sieben Monaten Schluß, gingen die Prügeleien im Parlament weiter.

Die Koalitionspartner wollten sich nicht länger unterordnen – und vielleicht fehlte dem geübten Entertainer auch noch das feine Händchen zum Umgang mit Partnern.

Zwei Jahre später machte erst einmal der Unternehmer Berlusconi Schlagzeilen mit diversen Prozessen wegen Korruption, Steuervergehen und ähnlichem. Es war die Zeit, als einigen Staatsanwälten der Kragen platzte und sie fortan unter der Losung “mani polite” – “saubere Hände”, genauer hinsahen. Seither sind die Staatsanwälte Berlusconis Lieblingsfeinde.

Aber wie ein Stehaufmännchen kam Berlusconi mit neuer Partei wieder hoch und provozierte im Europa-Parlament den deutschen Sozialdemokraten Martin Schulz mit einem KZ-Vergleich.

Die nächste Sorte von Popularität des vielseitigen Cavaliere sind seine Sex-Skandale. Diesmal ging es um eine Minderjährige, Gast bei seinen Festen.

Als sie wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde, wies er die Behörden an, sie laufen zu lassen.

Mit der damals noch eindrucksvoll klingenden Behauptung, sie sei die Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Mubarak.

Schwerer als Sexskandale aber wirken Italiens finanzielle Schwierigkeiten. Da sparten auch die EU-Kollegen nicht mehr mit Kritik.

Finanzkrise, Schuldenkrise bei Europas drittstärkster Wirtschaftsmacht – da geht es ans Eingemachte.

So zerstritten die linke Opposition in Italien auch ist, demonstriert gegen Berlusconi wird gemeinsam.

Im Oktober hat der Regierungschef Silvio Berlusconi noch einmal eine Vertrauensabstimmung überstanden. Aber die Bündnispartner gehen ihm von der Fahne. Keiner will von einem Strauchelnden mitgerissen werden ins politisches Aus.