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"15.Mai" - neue Basisbewegung in Spanien

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"15.Mai" - neue Basisbewegung in Spanien

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Die Spanier haben die “Schnauze voll”.

Freundlicher wollen sie gar nicht ausdrücken, was sie auf die Straße treibt. Anlaß waren die Kommunalwahlen am 15. Mai, daher hat die Bewegung ihren Namen. Die meiste Aufmerksamkeit erreichten die zumeist per Internet organisierten Proteste mitten in der Hauptstadt auf der Puerta del Sol.

Sechs Monate später gehört der Platz wieder den Touristen. Der Sportlehrer Santiago Roldán, einer der Organisatoren, erzählt, wie die Bewegung “15.Mai” die Leute aufgeweckt hat. Dabei haben viele Leute gesehen, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind, dass man sich zusammentun kann und sich dann als Teil der Gesellschaft artikulieren.

Viele Jungsakademiker ohne Job machen beim “15.Mai” mit. Die 23jährige Historikerin Andrea Raboso kritisiert das spanische Wahlrecht, das ein System favorisiert, in dem sich immer nur die beiden großen Parteien abwechseln.

So könne sich nichts ändern, und deshalb erwarte sie auch nichts. Sie will, dass diese Farce aufhört, dieses sich die Bälle zuspielen zwischen konservativer Partido Popular und linker PSOE. Es müsse aufhören, dass immer nur eine dieser beiden Parteien regiere, die nach ihrer Meinung doch am Ende die gleiche Politik machen.

Die neue Basis-Bewegung setzt sich ganz praktisch für Menschen ein, die aus ihren Wohnungen geworfen werden sollen, weil sie nach dem Platzen der Immobilienblase ihre Kredite nicht mehr abzahlen können. 300 000 Familien betraf das in den letzten drei Jahren..

Leute wie die dazumal durchaus gut verdienende Psychologin Tatiana Roeva.

“Ich habe 300.000 Euro Schulden”, lautet deren triste Bilanz. Die Wohnung hat sie gekauft, um ihrer Tochter die Zukunft zu sichern. Sie sagt, jetzt müsse man für eine Änderung des Gesetzes kämpfen, nachdem die Kreditnehmer die Schulden immer noch abstottern müssen, nachdem sie Haus oder Wohnung an die Bank verloren haben.

Der Anwalt Rafael Mayoral macht mit beim “15.Mai” und berät die Opfer der falschen Beratung durch ihr Bank. Er beschreibt die verhängnisvolle Beratungspraxis von Banken und Agenturen, wodurch viele Kunden zum Immobilienkauf gelockt wurden, die dazu eigentlich viel zu wenig Eigenkapital hatten. Wenn so jemand nun in schlechteren Zeiten seine Arbeit verliere, könne er nicht mehr zahlen. Der Anwalt wörtlich:

“ Die Banken sind doch mit Milliardensummen gepäppelt worden, die jene erarbeitet haben, die jetzt nicht mehr weiter können.”

Der Anwalt verlangt, dass die Verantwortlichen für vor Gericht gestellt werden.