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Gleichgeschlechtliche Ehe in Spanien

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Gleichgeschlechtliche Ehe in Spanien

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Es flossen Freudentränen vor allem auf den Zuschauerrängen des spanischen Parlaments, als im Juni 2005 das Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe angenommen wurde.

Damit hatte die linke Regierung Zapatero eines ihrer großen Wahlversprechen gehalten.

Die konservative Partei in der Opposition, die im Parlament überstimmt worden war, zog vor den Verfassungsgerichtshof. Unklar ist, wie es weitergeht, wenn die Konservativen jetzt die Wahlen gewinnen, wie allgemein erwartet wird.

Zum Beispiel für Sara und ihre Familie in Zaragossa.

Sie und ihre Partnerin gehören zu den 23.000 gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich trauen ließen. Zusammen leben die beiden Frauen seit 16 Jahren, sie haben durch künstliche Befruchtung Zwillige bekommen. Sara sagt: “ Wenn wir sagen, wir sind verheiratet, lassen sich viele Dinge schneller und einfacher regeln. Wir profitieren von diesem Gesetz. Als es in Kraft trat, war ich schon schwanger – und nun leben wir mit unseren Kindern in klaren legalen Verhältnissen.”

Das Gesetz räumt dieser Familie genau die gleichen Rechte ein wie traditionellen Familien. Beide Frauen sind gleichberechtigt erziehungsberechtigte Eltern.

Sara, die sich mit ihrer Partnerin in der Vereinigung

“Samos familia” engagiert, hat nur von positiven Reaktionen zu berichten. Die Großeltern kommen mit Geschenken für die Kinder. Und alle institutionellen Angelegenheiten sind mit dem Gesetz normal geworden. Diese Familien zeigen sich nun auch, weil sie keine Angst mehr haben müssen, dass einem Beamten ihre Lebensform nicht passt.

Sara ist optimistisch. Sie meint, die spanische Gesellschaft habe sich weiter entwickelt, so dass man nichts mehr zurückdrehen könne. Sara meint:

“Unabhängig davon, wie der Verfassungsgerichtshof entscheiden wird, oder was die konservative Partei tun wird, bleiben wir eine Familie. Selbst wenn die Kinder nur den Namen einer der Mütter tragen – und nicht die beider Eltern, wie in Spanien üblich – auch wenn man uns das Familienbuch verweigert,

wir bleiben eine Familie. Wahr ist allerdings auch, dass unser Leben immer noch komplizierter ist,

als bei Hetero-Eltern.”

Problematische bleibt die Situation, wenn die Partner aus verschiedenen Ländern stammen, denn die Gesetzeslage ist nicht in allen EU-Ländern so weit gefasst wie in Spanien. Das betrifft auch die deutsche Staatsbürgerin Susanne. Sie überlegt:

“Das betrifft mich ziemlich sehr. Und ich glaube, würden die Sachen in Deutschland anders sein, hätte ich wahrscheinlich schon Schritte unternommen und mich dort nach Arbeit umgesehen, weil im Moment die Situation in Spanien wirklich nicht sehr gut ist. Aber vor allem ist die gesetzliche Lage meiner Kinder da vollkommen anders. Dadurch, dass meine Frau die Kinder gehabt hat, wären es wahrscheinlich dort nicht meine, nicht hundertprozentig wie in Spanien.

Und das wäre für mich auf jeden Fall sehr schlimm, wenn mir die Kinder weggenommen werden würden, wenn ich nicht mehr die gleichen Rechte hätte wie jetzt, das wäre für mich sehr schlimm. “