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Brüssel rudert bei Ratingagenturen zurück

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Brüssel rudert bei Ratingagenturen zurück

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Die Europäische Kommission ist bei der Regulierung der Ratingagenturen zurückgerudert. Geplant war zunächst, die Benotung von kriselnden Euro-Staaten auszusetzen, doch dann entschärfte die Kommission entsprechende Gesetzesvorschläge. Die Agenturen benoten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Das Verbot sollte Euro-Länder schützen, die Kredite von den Euro-Partnern oder dem Internationalen Währungsfonds erhalten. Durch die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit waren sie zusätzlich unter Druck geraten. “Wir brauchen Ratingagenturen, die genau arbeiten, wir brauchen mehr davon”, so Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier. “Es gibt weltweit nur drei große davon. Ich möchte die Abhängigkeit von Benotungen reduzieren. Die Finanzregulierung für Banken und Versicherungen ist zu hoch, die unmittelbar von der Benotung durch Agenturen abhängen.” Dem ursprünglichen Gesetzentwurf zufolge sollte die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde die Beurteilung von Euro-Staaten durch Ratingagenturen für bis zu zwei Monate verbieten können. Aus der Sicht von Fachleuten wie Karel Lannoo wäre das Benotungsverbot ein falscher Schritt gewesen: “Eine solche Entscheidung hätte dazu geführt, dass die Märkte sich über Monate hinweg von bestimmten Ländern ferngehalten hätten, wie dies zur Zeit für Griechenland, Irland oder Portugal gilt. Das hätte die Situation der betroffenen Länder keineswegs erleichtert, sondern eher erschwert.” Den neuen, entschärften Vorschlägen der Kommission müssen die EU-Staaten und das Europaparlament noch zustimmen. Das dürfte nicht vor Ende des kommenden Jahres der Fall sein.