Eilmeldung

Eilmeldung

Ein steiniger Weg für Italien...

Sie lesen gerade:

Ein steiniger Weg für Italien...

Schriftgrösse Aa Aa

Die neue italienische Regierung unter Mario Monti steht vor einer großen Aufgabe. Um das Land aus dem Schuldensumpf zu befreien, will Monti nicht nur das Steuersystem, sondern auch das Rentensystem und den Arbeitsmarkt grundlegend reformieren. Ein Programm, das so gut wie allen Bevölkerungsgruppen Opfer abverlangt, seien es nun Arbeiter oder Angestellte, Rentner oder auch jene, die dem Fiskus bislang ausgewichen sind – denn auch Steuerhinterziehung will Monti energisch bekämpfen.

Zwar kündigte der neue Regierungschef an, die Lasten möglichst gleichmäßig zu verteilen, aber die meisten Italiener sind nicht allzu optimistisch und werden in dieser Haltung von den linken Gewerkschaften unterstützt. In mehreren Städten kam es bereits zu Demonstrationen, in Rom wurde der öffentliche Nahverkehr bestreikt. Italien steht wohl noch ein steiniger Weg bevor.

 
Wie reagieren die italienischen Gewerkschaften auf die Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Mario Monti? Für Euronews hat Claudio Rosmino bei Nicola Nicolosi von der italienischen Bildungsgewerkschaft CGIL nachgefragt. Nicolosi ist auch für die Beziehungen mit anderen europäischen Gewerkschaften zuständig.
 
euronews:
Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat im Senat sein Regierungsprogramm präsentiert. Dabei hat er vor allem die Notwendigkeit von Reformen am Arbeitsmarkt und bei den Renten betont, und er sprach viel von Opfern und von gerechter Aufteilung. Was hält Ihre Gewerkschaft davon?
 
Nicolosi:
Wir haben auf diese Rede gewartet, aber im Moment bin ich etwas verwirrt. Ich hätte gern detailliertere Informationen zu den Zielen der Regierung Monti, um all das besser zu verstehen. Wir stimmen mit dem überein, was er über die gerechte Lastenverteilung sagt, aber wir wüssten gern, wie die Lage für die Arbeiter sein wird, für die Rentner und die Schwächsten in unserer Gesellschaft.
 
euronews:
Zur Renten- und Arbeitsmarktreform: Wo sind für Ihre Gewerkschaft die Grenzen und inwieweit unterstützen Sie Montis Pläne?
 
Nicolosi:
Wir akzeptieren nicht, dass bei den Renten eingespart wird. Das haben wir schon seit Monaten gesagt. Unser Rentensystem ist ausbalanciert. Was den Arbeitsmarkt betrifft: hier gibt es schon sehr viel Flexibilität, aber 46 verschiedene Formen des Arbeitsvertrags sind zu viel. Wir denken, dass man das System vereinfachen muss.
 
euronews:
Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich und finanzpolitisch schwierigen Situation Italiens: Glauben Sie, dass Monti, wenn er von “notwendigen Opfern” spricht, die Unterstützung der Arbeiter und der Gewerkschaften hat?
 
Nicolosi:
Wir haben immer Opfer gebracht, das ist nicht das erste Mal. Unsere Geschichte ist die einer verlässlichen Gewerkschaft, die sich den wichtigsten Herausforderungen unseres Landes immer gestellt hat. Was wir allerdings kritisieren, ist, dass die einzigen, die für die Krise bezahlen müssen, die Arbeiter, Angestellten und Rentner sind. Damit sind wir nicht einverstanden. Wir wollen, dass diejenigen, die noch nichts für diese Krise bezahlt haben, ebenfalls zur Kasse gebeten werden.
 
euronews:
Sie sehen die Krise und die Kosten für die arbeitende Bevölkerung auch im europäischen Kontext. Wie beurteilen Sie die Lage Italiens verglichen mit Griechenland oder Spanien?
  
Nicolosi:
Man muss das im größeren Zusammenhang sehen. Die italienische Krise ist das Ergebis einer größeren Krise, die nicht nur Europa, sondern die ganze Welt betrifft. Wir kritisieren, dass die Politik ihre bedeutendste Rolle abgegeben hat, sie ist an den wichtigsten Themen gescheitert, nicht nur was den Arbeitsmarkt, sondern was die Weltwirtschaft betrifft. Die Finanzmärkte werden immer mächtiger, während die Politik immer schwächer wird. Sie muss den Finanzmärkten Regeln auferlegen, denn die Finanzmärkte können nicht über das Schicksal von sieben Milliarden Menschen entscheiden.
 
euronews:
Können arbeitende Menschen in einem Land mit einer der höchsten Schuldenraten Europas und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit noch Hoffnung auf eine Erholung haben?
 
Nicolosi:
Wir müssen auf eine bessere Zukunft in einem besseren Land hoffen. In diese Richtung gehen wir. Wir wollen dem Land helfen, sich von der Krise zu erholen, damit der Wohlstand auch in Zukunft garantiert werden kann.