Eilmeldung

Eilmeldung

Prozess gegen Saif al-Islam Gaddafi in Libyen oder Den Haag?

Sie lesen gerade:

Prozess gegen Saif al-Islam Gaddafi in Libyen oder Den Haag?

Schriftgrösse Aa Aa

Auch Gaddafis letzter flüchtiger Sohn ist gefasst worden: Saif al-Islam Gaddafi wurde in der südlibyschen Wüste von Milizionären der Übergangsregierung gefangengenommen und nach Sintan gebracht. Bis auf eine Verletzung an den Fingern war er offenbar bei guter Gesundheit.

Fraglich ist nun, ob er sich in Libyen vor Gericht verantworten muss oder vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit internationalem Haftbefehl suchte. Luis Moreno-Ocampo, der Chefankläger des Gerichts, will dies nächste Woche in Libyen klären. Der Strafgerichtshof wirft Saif al-Islam und dem Rest der alten Führung Folterungen, militärische Gewalt und gezielte Massenvergewaltigungen während des Volksaufstandes vor.

Die libysche Übergangsregierung will ihn wegen zahlreicher Verbrechen auch in der Zeit vor dem Volksaufstand in der Heimat vor Gericht bringen.

Das fordern auch viele Libyer: “Sie haben uns bestohlen, Libyen um seinen Wohlstand gebracht, Libyens Jugend getötet und Frauen vergewaltigt. Er muss in Libyen vor Gericht kommen”, spricht ein Libyer vielen Landsleuten aus der Seele. In Tripolis und Benghazi wurde die Nachricht der Festnahme auf den Straßen lauthals gefeiert.

Menschenrechtsorganisationen und die EU drängen hingegen auf einen fairen Prozess im Ausland. In Libyen droht Saif al-Islam laut Interims-Justizminister die Todesstrafe. Er galt als Gaddafis Lieblingssohn und wurde einst als dessen potentieller Nachfolger gehandelt.