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Spanien: Desillusion vor einem angekündigten Sieg

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Spanien: Desillusion vor einem angekündigten Sieg

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Der “Tag des Nachdenkens”, der Tag vor der Wahl in Spanien: Für die beiden Spitzenkandidaten der Tag des Spazierengehens in Madrids Parks. Der Favorit Mariano Rajoy von der konservativen Volkspartei sichtbar dynamisch: Er will den Spaniern nach seinem absehbaren Sieg eine Rosskur verordnen.

Deutlich langsamer und in den Umfragen weit zurück der Sozialist Alfredo Perez Rubalcaba. Als Ex-Innenminister kann er Erfolge vorweisen, doch seine Nähe zur unpopulären Regierung lässt ihm kaum Chancen.

Von Aufbruchsstimmung ist vor dieser vorgezogenen Wahl wenig zu spüren: Die Spanier machen sich auf weitere Einschnitte gefasst und hoffen, dass ihnen Schlimmeres wie in Griechenland oder Portugal erspart bleibt – das Bittstellen um internationale Rettung.

“Ich hab unter Franco gelebt, in der Demokratie, unter den Sozialisten, dann unter dem Zentrumsbündnis – und nach meiner Erfahrung haben die Sozialisten Spanien immer ohne Geld zurückgelassen”, meint ein Spanier. “Das habe ich selbst erlebt, das habe ich nicht von anderen gehört. Daher hoffe ich, dass die, die jetzt kommen, die Dinge regeln, so, wie sie es in der Vergangenheit gemacht haben.”

Eine Landsmännin ist desillusioniert: “Egal, wer siegt: Wir sind doch gar nicht die, die regieren, wir werden vom Ausland regiert: von ausländischen Banken, Multimillionären aus dem Ausland, von Frau Merkel, Herrn Sarkozy – Meyer, Müller, Schulze und wie sie alle heißen.”

Ebenfalls kaum Optimismus bei einer anderen Passantin: “Wir dürfen nicht vergessen, dass die Volkspartei aus der Volksallianz hervorging – also Franco. Die Rechte wird von Multis und Banken unterstützt, und das macht mir Angst.”

Spaniens “Empörte”, die an diesem Tag ebenfalls nicht politisch aktiv sein dürfen, klagen schon jetzt, dass der Sieg der Konservativen für das Land ein Schritt zurück sei.

Die Hoffnung – die liegt dieser Tage in “El Gordo”, der nationalen Weihnachtslotterie, für die sie wie jedes Jahr Schlange stehen, und die manchem Spanier wieder Geld in die Tasche spülen könnte…