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Spyros Staveris, griechischer Fotograf: "Die Zeit ist sehr spannend"

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Spyros Staveris, griechischer Fotograf: "Die Zeit ist sehr spannend"

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Die Welt von Spyros Staveris, das ist “Eine Welt ohne Begrenzungen”. Der griechische Fotograf – er wird zu den bedeutendsten in seinem Land gezählt -ist kein Stylist, er hat kein Programm – es sei denn, das Leben selbst.

Das Fotomuseum und die 52. Internationalen Filmfestspiele in Thessaloniki zeigen eine Retrospektive mit Fotos aus 30 Jahren.

Zu sehen sind Straßenszenen, urbanes Leben, Portraits von Prominenten und Unbekannten, Schnappschüsse von allen möglichen Veranstaltungen – vom lokalen Festival bis zu geschmacklosen Szenen, Bilder, die der Fotograf von eigenen Reisen mitgebracht hat.

Spyros Staveris Revier war immer die Straße, für ihn die größte Bühne. Hier kann jeder Schauspieler sein. Und über diese Straßenphotographie hat Spyros Staveris als Autodidakt Fotografieren gelernt. Für den 61jährigen fing alles in Paris an.

Spyros Staveris:

“Schon in der Oberschule habe ich in Filmen gebadet – ich habe enorm viele Filme bei der

Cinématèque Française gesehen. Daraus ist, glaube ich, der Wunsch entstanden, mir Bilder anzueignen, mit Bildern zu arbeiten.”

“Ich bin in Athen geboren – mit 2 Jahren kam ich nach Paris, weil es meinen Vater da hin zog – Griechenland muss ihm als Land zu klein geworden sein. Aufgewachsen bin ich dann in Paris – ich habe da auch studiert – Ende der 60er Jahre bekam ich eine Kamera und fing an – aber ich hatte nicht das Gefühl, dass da etwas Besonderes losging. Ich ging einfach raus und ich fing an zu knipsen, wie ein Schlafwandler, der auf der Straße herumläuft, Passanten, Schaufenster. Es war ein kleiner Teil von Paris, der mir gefiel.”

Spyros Staveris studierte in Paris Geschichte. Dann zog er zurück nach Athen, und begann 1989 als Fotojournalist zu arbeiten – unter den Auftraggebern waren viele renommierte internationale Zeitschriften und Zeitungen wie Libération, L ‘Hebdo, Paris Match und die griechischen Ausgaben von Gynaika, VimaDonna, Marie Claire, Madame Figaro.

in Griechenland kennt man ihn wegen seiner Fotos vom urbanen Leben, das in den 90er Jahren boomte – ähnlich wie in Spanien La Movida Madrileña nach der Franco-Ära. Staveris hielt die dionysischen Seiten der religiöse Feste auf den Inseln fest, Einheimische und Ausländer, Demonstrationen und Straßenszenen, Alltag.

Er beschreibt sich selbst als “Fotograf ohne Eigenschaften”. Genau wie der Held in Robert Musils Roman ist Staveris auf der Suche, will das komplexe Gefüge des täglichen Lebens durchdringen und festhalten.

Spyros Staveris:

“Ich habe versucht, die Dinge wiederzugeben, ohne sie zu idealisieren oder schlecht zu machen. In der zeitgenössischen Fotografie gibt es so eine Tendenz, die gefällt mir überhaupt nicht, ich meine, die bringt gar nichts.”

Aber die Zeiten ändern sich und damit sein Umfeld – sogar internationale Zeitschriften sparen an Fotoreportagen. Und die meisten Griechen haben zur Zeit alles andere im Kopf als Fotostrecken.

Spyros Staveris:

“Projekte zu finanzieren ist unmöglich geworden. In dieser Zeit ist es das Einfachste, die Realität abzubilden. Die Zeit ist sehr interessant, sehr spannend für mich als Fotografen, all das festzuhalten, was da abgeht.”

Das ist in Griechenland zur Zeit eine Menge – also läuft Staveris mit seiner Kamera durch die Stadt, und macht Schnappschüsse, ohne lang um Erlaubnis zu fragen – sein ureigener Weg, sein Land in einer schwierigen Phase festzuhalten – als Zeitzeuge mit Fotoapparat, der die Menschen in ihrem Alltag zeigt, wie sie sind.

“Eine Welt ohne Begrenzungen” – “A World without Margins” – 30 Jahre Photos von Spyros Staveris bis zum 04. Dezember im Photomuseum in Thessaloniki.