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Reza Taghizade: "Es sieht nicht so aus. als würde der Iran seinen Atomkurs ändern"

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Reza Taghizade: "Es sieht nicht so aus. als würde der Iran seinen Atomkurs ändern"

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Kurz vor der Veröffentlichung des Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde stand der Iran im Zentrum einer Ereigniskette: Sie reichte vom mutmaßlichen Mordkomplott gegen den saudi-arabischen Botschafter in den USA bis zur Explosion in einer Anlage der iranischen Revolutionsgarden. Zudem wurden Gerüchte um einen möglichen Militärschlag gegen Teheran immer lauter. Auf der anderen Seite sorgt der Bericht der IAEA zwar für großes Aufsehen und wurde kontrovers diskutiert, aber er kam nicht ganz unerwartet. Über dieses Thema hat Babak Kamiar mit Reza Taghizade gesprochen. Taghizade ist Experte für das iranische Atomprogramm.

euronews:

Wie denken Sie über den Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde und die Resolution des Gouverneursrats? Kann man das als Sieg der iranischen Regierung sehen?

Reza Taghizade:

Nein, gar nicht. Der Ärger der iranischen Vertreter über diese Resolution ist Ausdruck der Bestürzung des Irans, während gleichzeitig der US-Präsident und die US-Botschafter die Adaption einer solchen Resolution begrüßt haben. Das Papier zeigt, dass die Internationale Gemeinschaft in ihrem politischen und wirtschaftlichen Zugang und generell was das Thema Iran betrifft gut koordiniert ist.

euronews:

Die iranischen Behörden sagen, dass die Vorgehensweise des Gouverneursrats ein “historischer Fehler” war, und dass mit der Enthüllung vertraulicher Details aus Teheran die Regeln der IAEA verletzt wurden.

Reza Taghizade

Wir können nicht leugnen, dass der Zugang der IAEA dieses Mal speziell war, wie es auch der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi sagt. Aber die Stellung des Iran unter den Mitgliedern der Atomenergiebehörde ist auch außergewöhnlich. Das Vorgehen der IAEA, auch die Veröffentlichung von Dokumenten über geheime Aktivitäten Teherans, ist eine Konsequenz des Verhaltens des Irans.

euronews:

Wie sehr ist der Westen der Politik des Dialogs verpflichtet, anstatt auf Maßnahmen wie Militärschläge zurückzugreifen? Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Weltmächte nicht zögern, die militärische Karte auszuspielen, wenn es in ihrem Interesse ist.

Reza Taghizade:

Da stimme ich mit Ihnen nicht überein. Sie zögern sehr wohl, wenn es um Militärschläge geht, aber der Westen und die Internationale Gemeinschaft haben noch einige Möglichkeiten, die sie nützen können, bevor es zu einem Krieg kommt. Sie können etwa Sanktionen gegen die iranische Zentralbank verhängen. Aber solang der Iran nicht das Gefühl einer militärischen Bedrohung hat, sieht es so aus, als würde er seinen Kurs in Hinblick auf das Atomprogramm nicht ändern.

euronews:

Glauben Sie, dass die iranische Regierung diesen Kurs ändern würde, wenn sie ernsthaft einen Militärschlag befürchten müsste?

Reza Taghizade:

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, ob es einen Zusammenhalt zwischen den iranischen Politikern gibt. Meiner Meinung nach existiert dieser Zusammenhalt im Moment nicht. Jene, die im politischen Spektrum eher rechts stehen, vor allem die Revolutionsgarden, könnten einen Militärschlag sogar befürworten, weil ihnen dies ermöglicht, die Gesellschaft noch besser im Griff zu haben. Jene, die in der Mitte des politischen Spektrums angesiedelt sind, suchen nach einer Lösung, um aus dieser Blockade zu entkommen, aber sie haben nicht so viel Macht und es sieht nicht so aus, als wpürden sie in den nächsten Tagen oder Wochen oder Monaten die Oberhand gewinnen.