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Kritik an Stresstests für Atomkraftwerke in der EU

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Kritik an Stresstests für Atomkraftwerke in der EU

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Wie sicher sind Europas Atomkraftwerke? Nach Ansicht vieler Kritiker müsste die Frage eher lauten – wie unsicher sind die meisten? Darauf soll am Donnerstag die EU-Kommission antworten. Konkret geht es um die sogenannten “Stress-Tests” zur Nuklearsicherheit in der Europäischen Union.

Die Fraktion der Grünen im Europaparlament wirft der EU-Kommission Fahrlässigkeit vor. Dazu äußerte sich auch der langjährige Direktor des deutschen “Büros für Atomsicherheit”. Der Diplom-Physiker und Jurist Wolfgang Renneberg leitete von 1998 und 2009 die Abteilung Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Entsorgung im Bundesumweltministerium:

“Der Stresstest enthält keine Bewertungskriterien dafür, wie Sicherheit bewertet werden soll. Der Stresstest enthält auch keine Kriterien dafür, was Robustheit heisst. Aber genau das soll doch das Ergebnis des Stresstestes sein. Insofern werden die Ergebnisse willkürlich sein. Die Europäische Kommission hat keine eigenen unabhängigen Experten, die in der Lage wären, diesen Stresstest zu beurteilen. Deshalb ist die Europäische Kommission auf die nationalen Experten angewiesen. Die nationalen Experten haben aber bisher immer die Sicherheit ihrer nationalen Anlagen bestätigt.”

Die Europa-Abgeordnete der deutschen “Grünen”, Rebecca Harms, sieht auch Gefahren außerhalb der EU. Sie befürchtet, dass aus den schwachen Stresstests in Europa nun auch Alibis für Atomkraftwerke außerhalb Europas abgeleitet werden, vor allem in Japan. Die dienen dort als Alibi für die Verlängerung von Laufzeiten von Reaktoren in Japan.

Dabei entstand die Idee mit den Stresstests nach dem Atomunfall im japanischen AKW Fukushima.

Der “Greenpeace”-Sprecher Jack Hunter verweist noch auf weitere Schwächen:

So liefere keiner dieser Tests Aussagen zu Evakuierungsplänen für den Notfall. Das sei aber besonders wichtig, weil 19 Nuklear-Anlagen in einer Entferung von nur 30 Kilometern gefährlich nahe an großen Städten oder Ballungsgebieten in Europa liegen. Auch werde den Gefahren durch abstürzende Flugzeuge oder schwerwiegenden Pannen in den Anlagen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

In der EU laufen derzeit 143 Reaktoren, 58 davon allein in Frankreich, wo der Bau von 24 neuen Atomreaktoren geplant ist.