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Zyperns Erdgas - und die politische Streithemen der Türkei

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Zyperns Erdgas - und die politische Streithemen der Türkei

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Im vergangenen September kündigte die Republik Zypern Erkundungsarbeiten für die Suche nach Erdgas an. Erledigen sollte ein amerikanischer Konzern. In der Zone, in der Zypern laut internationaler Seerechtskonvention das alleinige Förderungsrecht für Bodenschätze hat, werden reiche Vorkommen vermutet.

Entdeckt wurden die Vorkommen in jenem Bereich des Mittelmeeres, wo die Hoheitszonen von Israel, Libanon und Zypern aneinanderstoßen. So wird aus dem ökonomischen Problem auch ein politisches.

Das zyprische Projekt hat in der Türkei Proteste ausgelöst. Der türkische Staat, der das EU-Mitglied Republik Zypern nicht als Staat anerkennt, schickte sogar ein Schiff und Flugzeuge, um die zyprischen Aktivitäten zu beobachten.

In diesen Konflikt spielt noch ein anderer hinein, ein hochpolitischer Konflikt zwischen der Türkei und Israel, seit 2010 israelisches Militär türkische Staatsbürger auf einem Schiff der Gaza-Hilfsflotte tötete.

Bei den aktuellen Erkundungen handelt es sich um Lagerstätten, über deren Nutzung sich Israel und Zypern 2010 geeinigt hatten. Und zwar so, das jedes Land auf einen Teil seiner Hoheitszone verzichtet. Dort finden jetzt gemeinsame Erkundungsarbeiten statt. Die dort vermuteten Reserven könnten über die eigene Region hinaus ein wichtiger Beitrag zur Energiesicherung werden.

Experten gehen von 450 Milliarden Qubikmetern Erdgas und 4,2 Milliarden Barrel Erdöl aus.

Das wichtigste Argument der türkischen Seite lautet, erst müsse eine Einigung über die Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel Zypern erreicht werden. Bisher stützt Ankara die im türkisch besetzten Nordteil der Insel gegründete “Türkische Republik Nordzypern”, die allerdings international nicht anerkannt wird.

Der türkische Regierungschef Erdogan hat in diesem Streit die Gespräche mit der EU eingefroren.

Und das, acht Monate, bevor die Republik Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Erdogan wörtlich: “Wir erkennen diesen Staat im Süden von Zypern nicht an. Mit denen werden wir uns nie an einen Tisch setzen, auch nicht, wenn sie die EU-Präsidentschaft haben.”

Für diesen Fall hat Erdogan sogar damit gedroht, die Gespräche mit der Europäischen Union endgültig scheitern zu lassen.