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Proteste in Ägypten: Kritik aus dem eigenen Volk

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Proteste in Ägypten: Kritik aus dem eigenen Volk

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Die Stimmung ist aufgeheizt im Zentrum von Kairo, wo Tausende Demonstranten seit Tagen gegen die Militärführung Stimmung machen. Aber wie sieht es abseits des Tahrir-Platzes aus? Nur ein paar Straßen weiter bietet sich ein ganz anderes Bild: Hier wollen viele Menschen nichts von einer Revolution wissen. “Das sind Jugendliche, die nicht arbeiten”, stellt ein älterer Mann lakonisch fest, “sie haben nichts zu tun, sie sind Gauner. Und wir haben morgen nicht einmal mehr Geld, um Brot zu kaufen.” Eine alte Frau zeigt unverhohlen ihre Ablehnung: “Das sind keine Ägypter. Man hat ihnen Geld gegeben, damit sie demonstrieren. Einige sind in Ordnung, aber die meisten sind Liberale und Salafisten und Linksradikale.”

Viele Bewohner von Kairo haben also keine gute Meinung von den Demonstranten am Tahrir-Platz. Diese selbst weisen solche Vorwürfe zurück und fühlen sich missverstanden. “Wir sind keine Terroristen oder was immer man über uns sagt”, meint ein Aktivist. “Wir sind achtbare Leute.” Und ein anderer will sich erklären: “Neun Monate sind vergangen und nichts hat sich geändert. Wir hatten viel Geduld mit dem Militärrat, aber es hat sich nichts geändert.”

Klar ist: die Demonstranten am Tahrir-Platz können nicht überhört werden. Und sie sind bereit, weiterhin nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihre Fäuste zu erheben. Frauen und Männer, Liberale und Kommunisten, Kopten und Muslime, sie alle sind sich einig in ihrer Ablehnung des Militärrats. Viele Menschen allerdings befürchten, dass die Protestbewegung zum Werkzeug radikaler Kräfte werden könnte.