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Putin vor der Rückkehr in den Kreml

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Putin vor der Rückkehr in den Kreml

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Seine Darstellung im Comic hat Russlands Superhelden Wladimir Putin so gar nicht gefallen. Dabei zeigt sich der inzwischen 59-Jährige selber gern in starken Posen.

Als Cowboy oder beim Kampfsport, den der ehemalige Geheimdienstoffizier immer noch regelmäßig trainiert.

Beim Kampfsport, genauer beim Boxen in Moskaus größter Sporthalle, wollte der aktuelle Ministerpräsident denn auch mit einer Rede für seine künftigen politischen Pläne werben.

Es geschah das bisher Undenkbare – Putin wurde zum ersten Mal öffentlich ausgebuht.

Im staatlichen Fernsehen gab es die Bilder nur mit heruntergeregeltem Ton – aber dank Internet lässt sich so etwas heute nicht mehr verbergen.

Was da in Russland ansteht, sieht nach ganz simplem Ämtertausch aus. Und zwar schon nach vier Jahren. Eine zweite Amtszeit als Präsident wird Dimitri Medwedew nicht gestattet.

Weil laut Verfassung ein Präsident nur zweimal vier Jahre hintereinander amtieren darf, hatte Putin den vorherigen Vize-Ministerpräsidenten selbst für dieses Amt in Stellung gebracht.

Und nun also wieder “Bäumchen wechsle dich” –

Putin will wieder Präsident werden, Medwedew soll wieder als Ministerpräsident fungieren. Dank der Regierungspartei “Einiges Russland”, die von straffer Hand geführt wird, dürfte es bei den anstehenden Wahlen keine Überraschungen geben.

Putin gilt, auch wenn erstmals Buh-Rufe zu hören sind, vielen Russen immer noch als der ersehnte “starke Mann”, der ihnen nach den wilden Wendejahren unter Boris Jelzin wieder eine gewisse Ordnung gebracht hat.

Mit seinem Nachfolger, dem er dann selber wieder nachfolgen kann, hat er sehr schöne Bilder eines gut funktionierenden “Doppels” im Polit-Spiel geliefert. Was Demokraten Sorgen bereitet, ist die politische Realität. Auch als Ministerpräsident hatte Putin über die Zwei-Drittel-Mehrheit seiner Partei in der Duma jederzeit die Macht, den Präsidenten Medwedew per Amtsenthebungsverfahren abzusetzen. Die Verfassung wurde formal eingehalten, faktisch aber ausgehebelt.

Und nun will er also nach der kürzest möglichen Zeit wieder an die Spitze des Staates zurückkehren.

Vor dem Parlament sagte er: “Es gibt noch einige Risiken und Unwägbarkeiten. Darum ist es so wichtig, dass wir als Team diesen stürmischen Bedingungen trotzen, in einer Krisenzeit, damit unser Boot nicht umkippt.”