Eilmeldung

Eilmeldung

Immigration als Thema im russischen Wahlkampf

Sie lesen gerade:

Immigration als Thema im russischen Wahlkampf

Schriftgrösse Aa Aa

Immigration ist eins der Hauptwahlkampfthemen im russisichen Wahlkampf.

Migranten aus früheren Sowjetrepubliken, besonders aus Zentralasien, strömen, von Armut getrieben, zu Millionen nach Russland, um dort Arbeit zu finden. Meist arbeiten sie im Niedriglohnsektor.

Dieser Vorarbeiter einer kleinen Migrantenbrigade in Moskau meint:“Wenn man die Monate sieht, die ein Wanderarbeiter hier schuftet, im Schnitt 5 Monate, und dann weiß, das er dafür umgerechnet zwischen 7 und 900 Euro erhält für diese fünf Monate, dann ist das nicht viel. Davon ernährt er dann noch Frau und Kinder zuhause.”

Die russische Ausländerbehörde schätzt, dass im Jahr 2011 rund 1,7 Millionen Wanderarbeiter legal nach Russland kamen. Weitere 4 bis 12 Millionen arbeiten illegal. Diese Menschen leben immer in Gefahr ausgewiesen zu werden. Daher werden sie eher ausgebeutet oder Opfer von Gewalt.

In Russland kommt es öfter zu ethnischen Spannungen und eskalierendem Nationalismus. Menschenrechtler werfen den Behörden oft vor, auf dem rechten Auge blind zu sein.

Soziologen glauben, das die größerwerdende Zahl nach russland kommender Wanderarbeiter die Ausländerfeindlichkeit im Land weiter anheizen könnte, da junge Russen befürchten ihretwegen ihre Jobs zu verlieren.

Nikolai Petrov, vom Moskauer Carnegie Zentrum, hält das für unberechtigt:

“Die Wanderarbeiter nehmen den ethnischen Russen keine Arbeitsplätze weg. Dennoch findet die Wirtschaft diese stillen, billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland nützlich.”

Die Wanderarbeiter stellen durchaus eine ökonomische Größe dar: zum russischen Bruttosozialprodukt tragen sie etwa 4 Prozent bei – das sind rund 50 Milliarden Dollar im Jahr.

Auch zwischen 3 und 5 Prozent der Gesamtarbeiterschaft des Landes sind mittlerweile Wanderarbeiter. In Zukunft wird man sie noch mehr benötigen, da die Russen – noch 143 Millionen – bis 2050, glaubt man den Demographen, um 40 Millionen Menschen weniger sein werden.