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Katastrophenszenario der OECD: jetzt hilft nur noch rasches Handeln

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Katastrophenszenario der OECD: jetzt hilft nur noch rasches Handeln

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Die OECD wählt starke Worte: Das Zukunftsszenario in ihrem neuen Konjunkturbericht fällt düster aus. Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit warnt vor absolut katastrophalen Folgen für den Fall, dass Europäer und Amerikaner ihre Schuldenkrisen nicht in den Griff bekommen. Jetzt zähle nur rasches Handeln.

2011 sind die Eurozone und die USA noch gleichauf, doch schon im nächsten Jahr dürften die Schuldenprobleme wie Blei wirken. Nur noch 0,2 Prozent in der Eurozone, immerhin noch zwei Prozent in den USA.

Zwar ist die US-Wirtschaft insgesamt flexibler, doch droht die Euro-Schuldenkrise auch die Amerikaner auszubremsen. Zumal Washington seinen eigenen gigantischen Schuldenberg politisch nicht bewältigt bekommt. Da hilft es wenig, daß der Einzelhandel einen erstaunlich robusten Start ins Weihnachtsgeschäft vermeldete.

Die Dinge seien sehr instabil, meint die OECD.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen seien in der Krise abhanden gekommen. Beides sei nur sehr schwer wieder zu erneuern. Und selbst das schwache Anfahren der Weltkonjunktur 2012 sei von zahlreichen Unsicherheitsfaktoren umgeben.

Zur Veröffentlichung des OECD-Konjunkturberichts sprach euronews OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan.

euronews: Herr Padoan, es heißt in ihrem Bericht, daß die weltwirtschaftlichen Aussichten von Entscheidungen zur Euro-Schuldenkrise und zum US-Haushaltsproblem abhängen. Diese Entscheidungen lassen aber immer noch auf sich warten. Wie lange können wir uns diese Tatenlosigkeit noch leisten?

Padoan: Ich fürchte, daß uns die Zeit davonläuft. Wenn nicht rasch und entschlossen gehandelt wird, dann besteht für die Eurozone das Risiko einer tiefen Rezession für die nächsten Jahre. Deswegen MUSS also jetzt gehandelt werden. Aber auch die USA müssen einen Weg finden, aus ihrer Haushaltssackgasse zu kommen. Zugleich müssen sie zu starke Kürzungen vermeiden, da sonst auch Amerika in Rezession fallen könnte.

euronews: Was brauchen wir denn für eine positive Entwicklung in der Krise? Im Moment haben wir die Debatte um eine größere Rolle der EZB und um Eurobonds. Was ist Ihre Meinung dazu? Wäre das ein Rezept, um aus der Krise zu kommen?

Padoan: Zunächst einmal muß in der Eurozone die Ansteckungsgefahr gebannt werden. Dabei können die EZB und der EFSF eine wichtige Rolle spielen. Wir brauchen die Entschlossenheit, zu große Renditeabstände nicht zuzulassen. Das kann glaubwürdig nur mit der EZB allein oder mit dem EFSF geschehen. Außerdem müssen die Führer der Eurozone Einzelheiten mitteilen, wie sie die Beschlüsse vom 26. Oktober umsetzen wollen. Also wie geht es weiter mit der Stärkung des EFSF-Rettungsfonds, mit der Rekapitalisierung der Banken, mit einer besseren Abstimmung in der Eurozone und, natürlich, mit der Umschuldung Griechenlands. Eurobonds sind ein gutes Instrument für weitere Haushaltsintegration, aber nur wenn die politische Abstimmung verbessert wird.

euronews: Moody´s warnt jetzt davor, mehrere Euro-Länder könnten zahlungsunfähig werden oder den Euro verlassen. Was ist denn wahrscheinlicher, ein Zusammenbruch der Eurozone oder eine stärkere Haushalts- und Fiskalunion im Währungsraum?

Padoan: Es hängt alles von den politischen Entscheidungan ab. Wenn nichts geschieht, könnte der euro den Bach runtergehen. Wenn aber reagiert und entschieden wird, so wie ich es gerade aufgezeigt habe, dann könnte der Ausblick auf die nächsten Jahre sehr viel freundlicher sein, mit mehr Wachstum und besserer Haushaltskonsolidierung. Und dann wird auch die Arbeitslosigkeit zurückgehen.

euronews: Was ist mit den USA? Dort lahmt die Konjunktur, der Arbeitsmarkt ist schwach, was auf die Inlandsnachfrage drückt. Aber immerhin, es GIBT Wachstum. Inwieweit ist die Euro-Schuldenkrise eine Bedrohung für die US-Wirtschaft?

Padoan: Die Euro-Schuldenkrise ist eine Bedrohung für die US-Wirtschaft, aber Amerika ist auch seine eigene Bedrohung. Dann nämlich, wenn sich die Politik dort nicht auf Haushaltskürzungen verständigen kann. Das ist dann eine Blockade wie in Europa. Leider sehen wir seit anderthalb Jahren, daß die Politik in der Eurozone der Entwicklung hinterherhinkt – und in den USA ebenfalls.