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Kommunistenführer Sjuganow:" Junge Leute wählen uns nicht nur, sie arbeiten bei uns mit."

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Kommunistenführer Sjuganow:" Junge Leute wählen uns nicht nur, sie arbeiten bei uns mit."

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euronews:

Ausgehend von dieser Stiummung unter den Wählern, sprechen wir mit dem aus Moskau zugeschalteten Führer der Kommunistischen Partei, der größten Oppositionspartei,

Gennadi Sjuganow. Viele Wähler sind desillusioniert, enttäuscht von allen Parlamentsparteien. Und davon, dass andere Parteien nicht zugelassen wurden. Darum verzichtet ein Teil der Gesellschaft gleich auf die Teilnahme. Was setzen Sie dagegen?

Gennadi Sjuganow:

Ich denke, dass die Wähler wieder aktiver werden.

Unsere Bürger verstehen, dass Russland in einer Sackgasse steckt, dass die aktuelle nur auf den Rohstoffen Erdöl und Erdgas basierende Wirtschaft so nicht weiter funktionieren kann. Wir brauchen eine echte Modernisierung und striktes Vorgehen gegen Korruption. Dazu eine breitere politische Vertretung, bei der nicht nur eine Partei allein die Regierung stellt. Es ist besser, die Situation durch Wahlen zu ändern, als so, wie wir es von Tunesien bis Ägypten sehen. Ein “arabischer Frühling” wäre für Russland absolut nicht zu akzeptieren.

euronews:

Umfragen sagen für die Partei “Geeintes Russland” einen Stimmenrückgang voraus. Wird sich das für Sie günstig auswirken?

Gennady Sjuganow:

Bei den Kommunalwahlen in diesem Jahr haben wir in vielen großen Städten die Partei “Geeintes Russland” geschlagen. Sehen Sie hier das Diagramm, in Russlands größten Städten, in Nowosibirrsk, Nischni Nowgorod, Twer – rot, das sind wir, ist immer stärker als blau.

Wir haben unser Programm in hoher Auflage verbreitet, ich bin sicher, dass wir damit neue Wähler erreichen und bei den Wahlen am 4. Dezember die Zahl unserer Parlamentssitze erhöhen werden. Wir haben die reale Chance, die Wünsche der Mehrheit der Wähler zu vertreten.

Unsere Bürger sind dabei, sich von der Partei “Geeintes Russland” abzuwenden, weil die ihre Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht hat.

Die Leute, die denken, die überlegen, die lesen, die verstehen, dass ohne eine echte Opposition die neue Duma sein wird wie die alte, nur schlechter.

euronews:

Man geht davon aus, dass Ihre Wählerschaft vornehmlich aus älteren Menschen besteht.

Was tun Sie, um auch für jüngere, aktive Menschen attraktiver zu werden?

Gennadi Sjuganow:

Sie wissen, diese Frage ist zehn Jahre alt. Die Lage hat sich verändert, wir haben gerade 30.000 junge Mitglieder aufgenommen. Wir sind auch dort vertreten, wo sich junge Menschen treffen, in Jugendklubs, bei Studentenbrigaden.

Heute wird unsere Partei nicht mehr nur von Älteren unterstützt, sondern von all jenen, die lesen, die nachdenken, die sehen, was im Lande vorgeht.

Und da hat es die Jungend in letzter Zeit besonders schwer getroffen. Sehen Sie, wir haben in den letzten 2 Jahren rund 2 Millionen junge Akademiker verloren. Auf einen entsprechenden Arbeitsplatz kommen 17 Bewerber. Das heisst, 16 haben studiert und finden dann keine Arbeit. Das nimmt die Jugend nicht mehr hin. Darum werden so viele junge Leute nicht nur für uns stimmen sondern auch bei uns mitarbeiten. Unter den hunderttausend Wahlbeobachtern, die wir in die Wahllokale entsenden, sind viele junge Leute und die sind sehr aktiv.

euronews:

Vielen Dank an Gennadi Sjuganow, Führer der Kommunistischen Partei Russlands.