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Russlands Nationalisten machen vor der Wahl mobil

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Russlands Nationalisten machen vor der Wahl mobil

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Ein “russischer Marsch” war es, was Anfang November in Moskau stattfand: Besonders wichtig für die Marschierenden ist dabei alles Russische. Kurz vor der Parlamentswahl machen Russlands Nationalisten mobil; sie und ihr Einfluss sind bei dieser Abstimmung eine unbekannte Größe.

“Guck Dir doch Tschetschenien an”, sagt Wladimir Tor, einer ihrer Anführer; “den Luxus, das Geld, die Wolkenkratzer. Und dann nimm dagegen die Ruinen in der Gegend von Archangelsk, Wladimir, Twer, Smolensk, Rjasan, Tula, Woronesh und immer so weiter. Dahin müsste das Geld gehen, nicht in den Kaukasus.”

Gegen Tschetschenen, gegen Juden, gegen alles, was sie selbst nicht als russisch ansehen – das ist die Welt der Nationalisten. Eine Umfrage dieses Jahr hat aber auch gezeigt, dass fast sechzig Prozent der Menschen die Ansicht teilen, dass Russland den Russen gehören müsse. Die angeblich unverbrüchliche Völkerfreundschaft aus Sowjetzeiten ist schon lange dahin.

“Die Gedanken der Nationalisten werden langsam zum Allgemeingut”, warnt der Menschenrechtler Alexander Werchowski von der Gruppe “Sowa”.

“Klar, nicht sofort, aber wenn man zum Beispiel die letzten zwanzig Jahre sieht, dann erschienen viele Gedanken zunächst radikal und waren nur am Rande zu hören. Jetzt kommen sie von angesehenen Leuten. Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung.”

Immer wieder gibt es Angriffe auf Einwanderer oder auf Angehörige von Minderheiten. Wieviele illegale Einwanderer, zumeist aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, sich in Russland aufhalten ist unbekannt – Schätzungen gehen von einigen Millionen aus.

“In der Moschee hier sind jeden Freitag vierzig-, fünfzigtausend Leute”, sagt Karomat Scharipow, ein Vertreter der tadschikischen Arbeitskräfte. “Die Hälfte von ihnen hat genauso wenig im Kopf wie die da draußen auf dem Platz. Sollen die sich wirklich erst gegenseitig verprügeln?”

Die Nationalisten stilisieren sich als die wahre Opposition in Russland. Damit werden sie aber auch gefährlicher für die Regierung – wie gefährlich, wird auch diese Wahl zeigen.