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Wie islamisch wird Ägypten nach der Wahl?

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Wie islamisch wird Ägypten nach der Wahl?

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Sie haben jetzt ein richtige Partei mit Namen “Partei der Freiheit und Gerechtigkeit” , die ägyptischen Moslembrüder, die sich selbst als “moderat islamistisch” bezeichnen. Unter Mubarak waren sie als Organisation verboten, wurden verfolgt, durften ihre Vertreter nur als unabhängige Einzelpersonen kandidieren.

So wie hier in Alexandria, wo sie die Wahlurnen zur Auszählung eskortierten, war der Jubel groß.

Sie sind die stärkste Kraft im erstmals frei gewählten Parlament. Noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Wahlergebnisse reklamierte ihr Parteichef Mohamed Musi für seine Fraktion das Recht der Regierungsbildung. Er sagte:

“ Die Mehrheit im neugewählten Parlament wird die Regierung bilden. Wir halten es aber für besser, wenn eine Koalitionsregierung zustande kommt, gebildet von der Mehrheit im Parlament.”

Die Moslembrüder streben zumindest offen keinen islamischen Gottesstaat an. Das tun nun andere, und zwar die im Windschatten der Moslembrüder ebenfalls erstarkten Salafisten. Diese Partei fundamentalistischer Sunniten, bekannt unter dem Namen “Al Nour” – “das Licht”, hat vor allem durch ihre Sozialarbeit bei den Ärmsten der Armen reichlich Stimmen gewonnen. Ihr Kandidat Mohamed Ahmed erklärt: “Wir haben mehrere Organisationen, die die Waisen und die Armen mit Nahrung versorgen. Gott sei Dank, es lieben uns viele Menschen und sie zählen auf uns, weil wir uns um sie kümmern.”

Die Salafisten verlangen die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia. Und sie wollen, dass für alle Aspekte des Lebens die Worte des Koran so wörtlich genommen werden, wie das zu Zeiten des Propheten Mohamed vor mehr als 700 Jahren war.

Das beunruhigt die Kopten ebenso wie andere nicht dem Islam anhängende Ägypter. Ayman Nour, Führer der Partei “Der Morgen nach der Revolution” , spricht von einer Zusammenarbeit der verschiedenen politischen Kräfte in dieser Phase.

Er hält vor allem für nötig, jetzt Zeichen zu setzen für eine künftige Verfassung. Man müsse sich Gedanken machen um die Gesetze, die die Verfassung ergänzen werden, jetzt, da die Phase des Wettbewerbs unter den politischen Kräften vorbei sei. Jetzt gehe es um Zusammenarbeit, darum, alle politischen Kräfte zu bündeln. Deshalb sollen alle zusammenhalten, auch die Islamisten mit den Liberalen und den Linken.